Ursache noch unklar
Erstmals seit Jahrhunderten: Spürbares Erdbeben in der Altmark
Aktualisiert am 14.10.2026 – 14:40 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein politisches Erdbeben hat Sachsen-Anhalt schon erlebt. Am Tag vor einer Sondersitzung des Landtags mit gemeinsamen Plänen von AfD und BSW tritt auch ein seltenes echtes Erdbeben auf.
Der Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt nordöstlich von Wolfsburg ist seismologisch eine der ruhigsten Gegenden Deutschlands Europas – es gibt keine bekannten Störungszonen und Plattengrenzen im Untergrund, wo sich Gesteinsmassen verhaken und ruckartig lösen können. Deshalb haben viele Bewohner dort in der Nacht zum Dienstag ein Ereignis verschlafen, das für Region ein Jahrhundertbeben ist. Es dürfte spür- und hörbar gewesen sein – und zeigt, dass überall in Deutschland Erdbeben auftreten können.
Erdbebenstationen hatten das Beben um 1.07 Uhr mit einer Magnitude von 2,4 gemessen und wurde inzwischen bestätigt, obwohl zeitweilig auf der Seite der Erdbebendienste in Mitteldeutschland ein Wert von 2,2 zu lesen war.
Das Epizentrum war demnach in einem Dreieck zwischen Wolfsburg im Westen, Salzwedel im Norden und Stendal im Osten bei Jemmeritz, einem Ortsteil der Stadt Kalbe (Milde). Die Seite Erdbebennews hat aus den vorliegenden Daten errechnet, dass rund 9.000 Menschen das Beben gespürt und auch ein Grollen wahrgenommen haben könnten. Schäden sind nicht zu erwarten. Es ist auch davon auszugehen, dass Menschen, die das Beben mitbekommen haben, es möglicherweise nicht realisiert haben. Beim Landesamt für Geologie und Bergwesen wurden zunächst zwei Meldungen bekannt.*
Stärkstes bislang nachgewiesenes Erdbeben in der Region
Jens Skapski von Erdbebennews sagte t-online, es handele sich nach den öffentlich verfügbaren instrumentellen Aufzeichnungen um das stärkste bislang nachgewiesene Erdbeben der Region. Ein 2008 von einem Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe erstellter Erdbebenkatalog führt aus historischen Überlieferungen ein spürbares Beben im Jahr 1680.
Das aktuelle Beben ist für Geologen spannend, weil der Untergrund in der Region wenig Auslöser für natürliche, tektonische Beben liefert. Deshalb gibt es im Norden Sachsen-Anhalts auch keine öffentlichen Erdbebenmessstationen. Die vier Stationen des Geologischen Dienstes des Landes Sachsen-Anhalt sind zu einem einheitlichen Netz im Verbund mit den Ländern Sachsen und Thüringen zusammengeschlossen.
Die dem Beben am nächsten gelegene Station liegt rund 40 Kilometer südlich und gehört zur Universität Magdeburg, die dem Netz des GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam angehört. Aufgrund der spärlichen Messdaten bleiben Details wie die genaue Tiefe des Bebens unklar. Vom Landesamt hieß es dazu: „Die ersten Ortungsergebnisse deuten auf eine Tiefe von mehr als 20 km hin. Das würde auf ein tektonisches Beben schließen lassen.“
Tektonisches oder induziertes Erdbeben
Die Tiefe liefert wichtige Hinweise, ob es sich um ein tektonisches Beben oder ein induziertes Beben handelt, also um eines, das durch menschliche Eingriffe wie Bohrungen und Bergbau ausgelöst wurde. In der Region gibt es zudem Gasförderung und Salzbergbau. Bislang gibt es aber keine Anzeichen, dass das Beben induziert ist, eine große Tiefe spricht dagegen. Bei der Auswertung kommt aber wieder zum Tragen, dass es dort keine nahegelegenen Stationen gibt. „Sie sind so weit entfernt, dass eine genaue Tiefenaussage nicht möglich sein wird. Eine Aussage zu tektonisch oder induziert ist nicht möglich.“
