1,99 Euro für Benzin

In Italien bilden sich Schlangen an den Zapfsäulen


Aktualisiert am 30.09.2026 – 08:45 UhrLesedauer: 4 Min.

Eni-Logo: An Tausenden Tankstellen in Italien gilt jetzt ein Höchstpreis. (Quelle: Geisser/imago-images-bilder)

In Italien gilt seit dieser Woche an Tausenden Tankstellen ein Höchstpreis für Benzin und Diesel. Die Konzerne verzichten dafür auf Millionen.

Wer in Italien tankt, zahlt seit Anfang der Woche an vielen Zapfsäulen deutlich weniger. Der teilstaatliche Energiekonzern Eni hat für sein Tankstellennetz Enilive einen Höchstpreis eingeführt: 1,99 Euro pro Liter Benzin, 2,19 Euro pro Liter Diesel. Das sind rund 17 Cent weniger als im Marktdurchschnitt der Vorwoche. Die Regelung gilt seit Montag, dem 28. September, zunächst für 30 Tage; eine Verlängerung bis Jahresende hat Eni in Aussicht gestellt.

Der Andrang war sofort zu spüren. Von Neapel über Rom bis Florenz bildeten sich am Montag Autoschlangen, einzelne Stationen meldeten leere Tanks, wie die Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ berichtet. Bis zum Abend hatten rund 3.850 Eni- und Enilive-Tankstellen den neuen Höchstpreis umgesetzt – etwa 90 Prozent des Netzes.

Wo der Deckel greift und wo nicht

Inzwischen ziehen Wettbewerber nach. Italiana Petroli (IP) – der größte private Anbieter des Landes, kontrolliert vom aserbaidschanischen Konzern Socar – kündigte am Sonntag einen eigenen Deckel an. Am Dienstag folgte Q8, die italienische Tochter des kuwaitischen Staatskonzerns KPC. Zusammen kommen die drei Ketten auf rund 9.800 von gut 20.000 Tankstellen in Italien – somit ist fast jede zweite in ihrem Besitz.

Für Autofahrer lohnt sich ein genauer Blick, denn die drei Konzerne handeln nicht identisch. Verbindlich bei 1,99 und 2,19 Euro liegt bislang nur Eni. IP setzt seinen Deckel schrittweise um; am Montagabend waren dort erst 600 Stationen umgestellt, innerhalb von zwei Tagen sollen es 2.000 werden. Q8 startet erst am 1. Oktober. Wie hoch der Höchstpreis dort ausfällt, hat das Unternehmen bislang nicht mitgeteilt. Tankstellen von Tamoil, Esso oder freien Anbietern haben keine Preisdeckel angekündigt.

Warum die Konzerne freiwillig verzichten

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Zum 28. September – dem Tag, an dem Enis Deckel in Kraft trat – halbierte die Regierung per Dekret ihren Steuernachlass auf Diesel von 12,2 auf 6,1 Cent pro Liter. Bis zum 5. Oktober läuft er vollständig aus. Der freiwillige Rabatt der Konzerne federt damit eine Verteuerung ab, die der Staat beschlossen hat. An anderer Stelle machte die italienische Regierung Autofahrern allerdings ein Geschenk: Die meisten Autobesitzer müssen im kommenden Jahr keine Kfz-Steuer zahlen.

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni steht wegen der Preise an den Zapfsäulen unter Druck. Wegen der hohen Staatsverschuldung fehlt ihrer Regierung im Vorwahljahr der Spielraum für weitere Entlastungen; vergangene Woche zerschlug sich zudem die Hoffnung, vorzeitig aus dem EU-Defizitverfahren zu kommen. Statt eines gesetzlichen Preisdeckels oder einer Übergewinnsteuer setzte Meloni auf einen Appell und bedankte sich anschließend öffentlich. Enis Schritt nannte sie einen „lobenswerten Akt der Rücksichtnahme gegenüber Italien“. Vizepremier Antonio Tajani betonte, es handle sich um einen freiwilligen Beitrag: keine Vorgabe von oben, keine neue Steuer.

Millionenverzicht könnte sich rechnen

Für Eni dürfte sich die Rechnung trotzdem lohnen. Die Analysten von Equita schätzen die Kosten des Deckels auf 85 bis 100 Millionen Euro im Monat – bei einem für 2026 erwarteten Nettogewinn von rund zehn Milliarden Euro. Die Maßnahme sei „wirtschaftlich gesehen leicht negativ“, aber „aus regulatorischer und politischer Sicht moderat positiv“. An der Mailänder Börse legte die Eni-Aktie am Montagvormittag um 1,58 Prozent zu.

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