Ein starker „Tatort“ über Polizeialltag und Moral. Doch am Ende bleibt der neue Fall aus dem Schwarzwald dem Publikum eine entscheidende Antwort schuldig.

Der neue „Tatort: Innere Angelegenheiten“ beginnt nicht mit einer Leiche, sondern mit einer Entscheidung. Sechs Polizisten und Polizistinnen sitzen zusammen in einem Mannschaftswagen und diskutieren über die Antwort auf eine Frage, die größer ist als jeder Mordfall: Sollen sie die Wahrheit sagen oder gemeinsam lügen?

Dabei geht es um die Nacht, die gerade erst hinter den Polizeibeamten liegt. Ein Mann ist in einem Nachtklub ums Leben gekommen. Wie genau das passiert ist, wissen offenbar nur sie.

Es sind vor allem diese sechs Figuren, die den „Tatort“ tragen. Mariam (Anna Bardavelidze), Pia (Caroline Hellwig), Wolle (Andreas Anke), Mahmoud (Mouataz Alshaltouh), Jakub (Lasse Lehmann) und Timo (Ben Felipe) bilden ein Ensemble, das funktioniert. Ihre Gespräche wirken glaubwürdig, ihre Unsicherheit ebenso. Man spürt den Druck, der auf den Einzelnen lastet, und ahnt, warum es so schwer ist, aus dieser Situation auszubrechen.

„Wir sind Polizei“, sagt Pia zu ihren Kollegen und bringt damit das moralische Dilemma auf den Punkt. „Die Leute vertrauen uns, wir können nicht lügen.“ Die Verantwortung eines Polizisten der Gesellschaft gegenüber und der daraus resultierende Druck sind das zentrale Thema dieses Krimis.

Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau) und Kommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) führen durch den Fall, ohne ihn an sich zu reißen. Toblers private Situation – sie muss sich um das Haus ihres verstorbenen Vaters kümmern – wird nur kurz angerissen. Die Ermittlungen wirken dadurch fokussiert, fast nüchtern, und geben den Raum frei für die eigentliche Frage: Was ist in dieser Nacht wirklich passiert?

Inhaltlich setzt der „Tatort“ auf ein Thema, das selten so konsequent erzählt wird: den Alltag von Polizisten. Nachtschichten, Stress, ständige Anspannung – und der Umgang mit Gewalt und Respektlosigkeit. Der Film zeigt, wie belastend dieser Job sein kann. Was passiert, wenn diese Belastung dazu führt, dass Grenzen verschwimmen?

Der Krimi bleibt dabei angenehm nah an seinen Figuren. Er erklärt nicht alles aus, sondern lässt Situationen stehen. Letztlich wird ihm allerdings genau das zum Verhängnis. Der „Tatort“ steuert auf ein Ende zu, das die zuvor aufgebaute Spannung nicht einlöst. Die Auflösung kommt abrupt, fast schon beiläufig. Vor allem bleibt eine entscheidende Frage unbeantwortet: Warum haben sich die Polizisten überhaupt entschieden, den Tathergang zu verschleiern? Der Film deutet vieles an, führt es aber nicht konsequent zu Ende. Das sorgt dafür, dass man als Zuschauer etwas ratlos zurückbleibt.

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