Hamburger Großprojekt
Naturkundemuseum im Elbtower? Politik skeptisch
22.08.2026 – 20:58 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Elbtower steht seit fast drei Jahren als Rohbau in der HafenCity. Nun stellt ein führender Sozialdemokrat das geplante Museum im Gebäude grundsätzlich in Frage.
Der Vorsitzende der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Dirk Kienscherf, hält die Unterbringung des geplanten Naturkundemuseums im Hamburger Elbtower für wenig wahrscheinlich. Auf eine entsprechende Frage des „Hamburger Abendblatts“ sagte Kienscherf, er schätze die Wahrscheinlichkeit für eine Umsetzung des Projekts als gering ein. Hintergrund sind festgefahrene Verhandlungen über den Kauf des halbfertigen Hochhausrohbaus in der HafenCity, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.
Die Bauarbeiten am Elbtower stehen seit Oktober 2023 still. Damals war die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilieninvestors René Benko in die Insolvenz gegangen. Seit Dezember 2024 verhandelt ein Konsortium um den Immobilieninvestor Dieter Becken mit Insolvenzverwalter Torsten Martini über den Erwerb des Rohbaus am Ostende der HafenCity.
Einer Eckpunktevereinbarung vom Oktober 2025 zufolge soll im Elbtower auch das Naturkundemuseum untergebracht werden. Die Stadt will dafür fast die Hälfte des Gebäudes zu einem Festpreis von 595 Millionen Euro übernehmen. Genau dieses Vorhaben steht nun offenbar auf der Kippe.
Elbtower sollte über 240 Meter hoch werden
Kienscherf betonte, die Stadt sei grundsätzlich gesprächsbereit: „Wir sind bereit, über das Teileigentum zu reden, wenn es dazu dient, das Naturkundemuseum zu realisieren.“ Dazu seien Bedingungen formuliert worden, die den Investoren seit Monaten vorlägen. „Da wird es auch keinen Nachschlag geben“, sagte er. Die Stadt habe ein Angebot vorgelegt, doch bedeute das noch nicht, dass ein Teileigentumserwerb zustande komme. Am Ende entscheide die Bürgerschaft. „Der Elbtower war und ist ein privates Bauobjekt, und kein Bürger in dieser Stadt muss befürchten, dass staatliches Geld zulasten der Steuerzahler reingeht“, so Kienscherf.
Ursprünglich war der Elbtower als Entwurf des Londoner Architekten David Chipperfield mit 64 Stockwerken und 245 Metern Höhe geplant, was ihn zum drittgrößten Gebäude Deutschlands gemacht hätte. Laut einem Bauvorbescheid vom März 2026 soll der aktuell 100 Meter hohe Rohbau nun auf 199 Meter fertiggestellt werden. Dem Konsortium gehören neben Becken der Milliardär Klaus-Michael Kühne, die Versicherung Signal Iduna, das Bauunternehmen Adolf Lupp sowie Rossmann-Gründer Dirk Roßmann an.
