„Regierung lässt Krankenhaussterben unstrukturiert laufen“

„Dass wir weniger Krankenhäuser in Zukunft haben werden, ist unvermeidbar“, sagt auch Hodek. Die Regierung müsse aber dringend steuernd eingreifen und entscheiden, welche Kliniken künftig gebraucht werden und welche nicht. „Derzeit lässt die Regierung das Krankenhaussterben leider recht unstrukturiert laufen“, so Hodek.

Dass die Krankenhausversorgung in den vergangenen Jahren so viel teurer geworden ist, liegt nicht nur an den großen Kapazitäten, die Deutschland vorhält, sondern auch an den hohen Energiekosten und daran, dass die Pflege deutlich teurer geworden ist. „Wir wollten gesellschaftlich, dass die Pflege besser bezahlt und ausgebaut wird“, sagt Hodek und verweist darauf, dass es heute deutlich mehr Pflegekräfte gibt als noch vor zehn Jahren. „Das ist aber natürlich teuer.“

Auch hinter der Kostenentwicklung der Arzneimittel steht eine gesellschaftliche Entscheidung. Denn Kostentreiber sind hier nicht die Arzneimittel für den Massenmarkt, sondern vor allem hochinnovative, neuartige Therapien und Medikamente. Sie machen nur einen kleinen Teil der Menge, aber einen großen Teil der Kosten aus. „Die eröffnen große medizinische Chancen, erreichen aber Preise von teilweise mehreren Hunderttausend Euro pro Therapiezyklus“, sagt Hodek.

Expertenkommission stellt im Winter neue Empfehlungen vor

Die Expertenkommission, die bereits im Frühjahr die Sparvorschläge machte, ist dabei, die Grundlage einer umfassenden Strukturreform zu erarbeiten. Im Winter, so der derzeitige Stand, soll sie diese präsentieren. Hodek erwartet hierbei eine ganze Reihe grundlegender Entscheidungen. So müsse die Krankenhausreform fortgeführt und die Krankenhausstrukturen konsequent reformiert werden: weniger Betten, weniger Krankenhäuser, dafür mehr ambulante Versorgung – so wie es Dänemark und die Niederlande vormachen. „Die Kliniken, die dann übrig bleiben, sind dann auch gut ausgestattet: technisch, finanziell und personell“, sagt Hodek. „So zumindest die positive Zielvorstellung.“

Weiter erwartet Hodek einen deutlich größeren Fokus auf Prävention sowie ein Primärarztsystem und mehr Digitalisierung. Für die beiden letztgenannten Vorhaben sind die Planungen im politischen Berlin schon weit fortgeschritten. In den kommenden Wochen wird ein Gesetzesentwurf erwartet, der die Patientenführung deutlich verändert. Heißt: Künftig sollen sich Patienten an eine Erstanlaufstelle wenden, digital, telefonisch oder persönlich. Diese soll dann klare Anweisungen geben, ob der Patient zur Notaufnahme oder zum Hausarzt muss beziehungsweise ob auch ein Apothekenbesuch oder Ähnliches ausreicht. Facharztbesuche sollen dann auf Empfehlung des Hausarztes geschehen.

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