
Neue, radikale AfD-Jugend
Nur ein Hitler-Redner trübt das Bild
Aktualisiert am 30.11.2025 – 01:09 UhrLesedauer: 7 Min.

Vor der Hessenhalle in Gießen setzt die Polizei Wasserwerfer ein, drinnen gründet sich die neue Jugendorganisation der AfD. Ihre neue Führung tritt so radikal wie professionell auf. Mit einer Ausnahme.
Es herrscht mal wieder Arbeitsteilung beim Spitzenduo der AfD bei der Gründung ihrer neuen Jugendorganisation. Tino Chrupalla ist dabei in der Hessenhalle in Gießen für den unbequemen Part zuständig. Der AfD-Co-Chef appelliert gleich mehrfach an die vor ihm versammelte Jugend seiner Partei: Ein Land zu verändern, das sei etwas anderes als zu fechten, als eine Demonstration zu organisieren, als auf Gebäude zu klettern. Die AfD sei „nicht mehr die Partei von 2015“.
„Nicht das Ego, nicht die Person ist das Wichtigste“, sagt Chrupalla. „Zuerst das Vaterland, dann die Partei, dann die Person.“ Es ist eine Mahnung an die rund 800 jungen AfD-Mitglieder vor ihm, die allermeisten von ihnen männlich, viele davon tragen scharf gezogene Scheitel.
Chrupallas Rede hat ihren Grund: Die frühere Jugendorganisation der AfD, die „Junge Alternative“, hatte sich einen einschlägigen Namen gemacht – als skandalträchtig, schwer zu bändigen, wesentlich radikaler noch als die AfD. Oft stand sie auf Kriegsfuß mit dem eigenen Parteivorstand, wurde stark beeinflusst vom sogenannten Vorfeld, das aus noch radikaleren Organisationen außerhalb der Partei besteht. Schon 2023 stufte der Verfassungsschutz die „Junge Alternative“ als „gesichert rechtsextrem“ ein.
Anfang des Jahres dann sagte sich die AfD von ihr los, wenige Monate später löste sich der Verein selbst auf. Es war ein Schritt, der hart umkämpft war, in der Jugend wie in der Partei. Er riss Wunden, die bei einigen noch immer nicht verheilt sind. Nach Monaten der Satzungs- und Personalplanung hinter den Kulissen aber erhält die AfD in Gießen an diesem Tag eine neue Jugendorganisation: „Generation Deutschland“, für alle Parteimitglieder unter 37, mit eigener Satzung, Chef, Vorstand.
Professionalisieren soll die Jugend sich, wie die gesamte AfD – so lautet ihr Auftrag, so lautet auch das Ziel ihrer führenden Akteure. Und das funktioniert am Gründungstag recht gut. Man hält sich zum größten Teil an die bereits im Voraus abgestimmten Personallisten. Überraschungen, Skandale, Patzer bleiben aus – bis auf einen bizarren Auftritt, bei dem ein Redner Hitler imitiert.
Eine Mäßigung aber bedeutet das nicht. Die ist weder von der Jugend noch von der AfD-Spitze gewollt. Auch das werden die nächsten Stunden zeigen.
Um die Halle tobt schon ab dem frühen Morgen Chaos. 25.000 Menschen protestieren am Samstag der Polizei zufolge gegen die Gründung der neuen AfD-Jugend. Gewerkschaften, Vereine und Parteien haben ebenso mobilisiert wie die Antifa, Linksextremisten, der vermummte Schwarze Block. Die Polizei spricht später davon, dass ein großer Teil der Proteste friedlich abgelaufen sei. Immer wieder aber kommt es zu Eskalationen und Gewalt.











