Nach dem Stromausfall
Sein Handeln wirft Fragen auf
Aktualisiert am 07.01.2026 – 14:52 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein Stromausfall legt den Südwesten Berlins lahm – und offenbart Schwächen in der Regierungsarbeit. Für Kai Wegner wird die Krise zur Bewährungsprobe im Wahljahr.
Der großflächige Stromausfall im Berliner Südwesten hat mehr als 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen zeitweise vom Stromnetz getrennt. Während die Reparaturen voranschritten, verlagerte sich die Debatte schnell auf die politische Ebene: Kai Wegner (CDU), seit 2023 Regierender Bürgermeister, sieht sich mit scharfer Kritik an seinem Krisenmanagement konfrontiert – auch aus der eigenen Koalition.
Vor allem am Samstag, dem ersten Tag der Notlage, war Wegner nicht vor Ort. Laut Angaben aus seinem Umfeld koordinierte er von seinem Büro aus Maßnahmen mit Bundesbehörden, der Bundeswehr und Senatsmitgliedern – eine Kommunikation, die vor Ort ohne Internet- und Mobilfunkverbindung kaum möglich gewesen sei.
Wegner erklärte dazu: „Ich war den ganzen Tag zu Hause, weil ich telefonieren musste. Ich habe mich in meinem Büro eingesperrt.“ In der Pressekonferenz am Montag sagte er, er sei „um 8.07 Uhr, kann auch 8.03 Uhr gewesen sein“, von Innensenatorin Iris Spranger informiert worden.
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach kritisierte im „Spiegel“: „Wenn zigtausende Menschen in seiner Stadt ohne Strom sind und frieren, erwarte ich von einem Landeschef natürlich Präsenz von der ersten Stunde an.“ Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp bezeichnete den Vor-Ort-Besuch am Sonntag als „denkbar spät“. Und der Fraktionschef der Grünen, Werner Graf, warf Wegner vor, nach früheren Vorfällen versäumt zu haben, den Schutz kritischer Infrastruktur zu stärken.
Aus Wegners Umfeld hieß es, eine frühere Präsenz vor Ort wäre vor allem symbolischer Natur gewesen. Wahlkampffotos hätten „den rund 100.000 Menschen ohne Strom und Heizung nicht geholfen“. Steglitz-Zehlendorfs Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) nahm Wegner in Schutz. Sie erklärte dem „Tagesspiegel“, sie habe mit Wegner am Samstag und Sonntag telefoniert und ihn als „sehr verbindlich und gesprächsbereit“ erlebt.
Aus der Bevölkerung kommen aber vorwiegend kritische Stimmen: Am Sonntag, dem zweiten Tag des Stromausfalls, besuchte Wegner unter anderem eine Notunterkunft im Cole-Sports-Center. Anwesende Bürger beschwerten sich dort über aus ihrer Sicht unzureichende Hilfe für zwei pflegebedürftige Personen.
Video | „Erbärmlich“: So denken Berliner über den Stromausfall
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