
Justizskandal erschüttert Australien
Weil Anwältin spitzelte: 30-jährige Haftstrafe plötzlich ungültig
06.02.2026 – 11:18 UhrLesedauer: 2 Min.
Tony Mokbel gilt als einer der berüchtigtsten Unterweltbosse von Melbourne. Trotz einer Verurteilung zu 30 Jahren Gefängnis kann er jetzt vom nächsten Urlaub träumen.
Der mutmaßliche australische Drogenboss Tony Mokbel ist wieder auf freiem Fuß – weil seine Anwältin jahrelang Informantin der Polizei war. Wie die Staatsanwaltschaft des australischen Bundesstaats Victoria am Freitag erklärte, werde auf die geplante Neuauflage eines Prozesses gegen Mokbel verzichtet. Bei der Entscheidung seien Mokbels Alter, sein Gesundheitszustand und die von ihm bereits im Gefängnis verbrachte Zeit berücksichtigt worden.
In einem vorherigen Prozess war Mokbel vorgeworfen worden, jahrelang ein Drogenkartell angeführt zu haben. 2012 bekannte er sich vor Gericht schuldig, der Anführer der Bande gewesen zu sein. In dieser Funktion soll er eine zentrale Rolle bei einem Bandenkrieg in Melbourne gespielt haben, bei dem es Dutzende Tote gab. Er wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt.
Dieses Geständnis ist nun hinfällig: Die Anwältin Nicola Gobbo, die Mokbel und weitere mutmaßliche Bandenmitglieder vertreten hat, soll über Jahre hinweg die Polizei über die Machenschaften der Bande auf dem Laufenden gehalten haben. Bereits im April des vergangenen Jahres wurde Mokbel deswegen auf Kaution freigelassen – sein Anwaltsteam argumentierte, dass Mokbel niemals geständig gewesen wäre, wenn er von dem Doppelleben seiner Anwältin gewusst hätte.
Mokbel erklärte am Freitag vor Journalisten: „Es fühlt sich wirklich gut an, und das Leben geht weiter“. Er wolle jetzt reisen: „Es wäre großartig, in ein schönes Flugzeug zu steigen.“
Der Justizskandal um Gobbo könnte zu zahlreichen Urteilsaufhebungen in weiteren Fällen führen. Schon 2019 hatten die australischen Behörden insgesamt 22 Betroffene informiert, dass sie nach den Enthüllungen Rechtsmittel einlegen können. Wie Gobbo erklärte, führten die von ihr weitergegebenen Informationen in mehr als 300 Fällen zu Verurteilungen.