
Am 2. April 1900 vereinbarte der Großhändler mit Daimler die Lieferung neu konstruierter Automobile und eines neuen Motors, der den Namen seiner damals zehn Jahre alten Tochter führen sollte. Als der erste Daimler-Mercédès des Ingenieurs Wilhelm Maybach im Dezember 1900 bei Jellinek eintraf, war Jellinek begeistert: Der flache und leichte Wagen brach mit dem üblichen Kutschen-Layout.
Aber auch technisch machte der sensationell starke Wagen einen Sprung in die Zukunft. So erreichte der als Mercedes 35 PS vermarktete Racer dank eines neuartigen 6,0-Liter-Vierzylinders mit revolutionärem Bienenwabenkühler – die bis dahin allgegenwärtigen Kühlprobleme waren gelöst – fast 90 km/h, ein damals fulminantes Tempo. Der Typ 35 PS sorgte mit Motorsporterfolgen bei der „Semaine de Nice“ für Aufsehen. Triumphe, die geschickt global vermarktet wurden: Die Basis für Mercédès als erste automobile Luxusmarke überhaupt war gelegt. Aus dem Mercédès 35 PS entstand ab 1902 die Mercédès-Simplex-Reihe, alltagstaugliche Sportwagen.
Daimler meldete 1902 den Namen „Mercédès“ als Warenzeichen an, die Geburtsstunde der ersten weltweit erfolgreichen Marke mit weiblichem Signet. Und die Namensgeberin ließ sich fortan gerne werbewirksam mit den Fahrzeugen fotografieren, allerdings ohne jemals selbst ein Auto zu besitzen. Ihr Vater bekam 1903 die Erlaubnis, sich fortan Jellinek-Mercédès zu nennen. „Wohl zum ersten Mal trägt der Vater den Namen seiner Tochter“, kommentierte er zufrieden.