Tat eines stolzen Vaters
Das steckt hinter dem Namen „Mercedes“
01.04.2025 – 07:41 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Name Mercedes-Benz steht in der Autowelt seit nunmehr 125 Jahren für die heute weltberühmte Automarke . Doch wer war die Namensgeberin?
Das Patent-Auto des deutschen Erfinders Gottlieb Daimler war bereits 15 Jahre alt, als es den Entwicklungssprung von der pferdelosen Motorkutsche zum modernen Motorwagen mit flacher, gestreckter Silhouette und tiefem Fahrzeugschwerpunkt schaffte. Und mit dem Formwechsel wurde das Automobil vom Spielzeug einzelner reicher Enthusiasten zum begehrten, in größerer Serie gebauten Luxusfahrzeug für die High Society. Den Anfang machte der erste Mercédès 35 PS, der im mondänen Nizza vorgestellt wurde.
Hinter dem neu kreierten Markennamen – anfangs noch mit markanten Akzenten über den beiden „e“ – verbarg sich Mercédès Jellinek, die innig geliebte Tochter des erfolgreichen Daimler-Händlers Emil Jellinek.
Ein weiblicher Vorname wie Mercédès für ein ausgesprochen maskulines Produkt galt um 1900 als Sensation, zumal fast alle Konkurrenten ihre Motorwagen nur nach deren Erfindern benannten. Schon seine Geburt verdankte das Patent-Automobil mehreren Männern: Nikolaus Otto und Wilhelm Maybach entwickelten zunächst geeignete Benzinmotoren, Carl Benz und Gottlieb Daimler 1886 die ersten Motorfahrzeuge.
Als erster serienmäßig hergestellter Kleinwagen sorgte 1894 der Benz Velo für Furore, geschickt beworben durch eine Werbefahrt von Clara Benz, der Tochter des stolzen Autopioniers Carl Benz.
Vaterstolz war es auch, der den autoverrückten, aber kühl kalkulierenden Geschäftsmann Emil Jellinek den klangvollen spanischen Namen seiner 1889 geborenen Tochter Mercédès als Markenbezeichnung für Daimler-Modelle durchsetzen ließ.
Seit 1897 war der österreichische Kaufmann Jellinek an der französischen Riviera in Nizza tätig. Im Jahr 1899 nutzte er bei Autorennen erstmals das Pseudonym „Monsieur Mercédès“ und stieg durch seine Geschäftsbeziehungen und die attraktiven Autos zum größten Daimler-Händler der Welt auf. Für seine Kunden nahm er mehr als 60 Prozent der Daimler-Jahresproduktion ab. Immer schneller, immer besser und immer leichter zu bedienen, sollten die Automobile nach Jellineks Vorstellung werden und das Kutschenzeitalter hinter sich lassen.
Am 2. April 1900 vereinbarte der Großhändler mit Daimler die Lieferung neu konstruierter Automobile und eines neuen Motors, der den Namen seiner damals zehn Jahre alten Tochter führen sollte. Als der erste Daimler-Mercédès des Ingenieurs Wilhelm Maybach im Dezember 1900 bei Jellinek eintraf, war Jellinek begeistert: Der flache und leichte Wagen brach mit dem üblichen Kutschen-Layout.
Aber auch technisch machte der sensationell starke Wagen einen Sprung in die Zukunft. So erreichte der als Mercedes 35 PS vermarktete Racer dank eines neuartigen 6,0-Liter-Vierzylinders mit revolutionärem Bienenwabenkühler – die bis dahin allgegenwärtigen Kühlprobleme waren gelöst – fast 90 km/h, ein damals fulminantes Tempo. Der Typ 35 PS sorgte mit Motorsporterfolgen bei der „Semaine de Nice“ für Aufsehen. Triumphe, die geschickt global vermarktet wurden: Die Basis für Mercédès als erste automobile Luxusmarke überhaupt war gelegt. Aus dem Mercédès 35 PS entstand ab 1902 die Mercédès-Simplex-Reihe, alltagstaugliche Sportwagen.