
In einem Regelinsolvenzverfahren hingegen übernimmt ein Insolvenzverwalter die Kontrolle. Er entscheidet über Fortführung, Verkauf oder Schließung einzelner Betriebe. Dass für einzelne Revo-Gesellschaften dieser Weg gewählt wurde, deutet auf eine schwierigere wirtschaftliche Lage in diesen Häusern hin.
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Als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nannte Revo im Januar gestiegene Lohnkosten, höhere Mieten sowie stark gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise. Vor allem aber habe die schnelle Expansion der vergangenen Jahre das Unternehmen belastet. Seit 2020 wuchs das Portfolio von 51 auf rund 250 Hotels.
Die Übernahme zahlreicher Häuser und Marken sei mit hohen Integrations- und Finanzierungskosten verbunden gewesen. Gleichzeitig seien die Übernachtungszahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben, geplante Umsätze für 2025 seien nicht erreicht worden.
Das Branchenportal „Hotel Inside“ ordnet die Entwicklung als Teil eines größeren Trends ein. Binnen 15 Monaten seien mit Lindner, Achat und Revo drei große Hotelbetreiber in die Insolvenz geraten. Gemeinsame Faktoren seien hohe Fixkosten sowie langfristige Pacht- und Franchiseverträge.
Gerade das sogenannte „White-Label“-Modell von Revo erhöhe die operative Komplexität, schreibt „Hotel Inside“. Übersetzt bedeutet das: Revo tritt nicht in erster Linie mit einer eigenen starken Marke am Markt auf, sondern betreibt Hotels im Auftrag oder unter dem Namen großer internationaler Ketten. Für Gäste steht etwa „Mövenpick“ oder „Wyndham“ über der Tür – wirtschaftlich geführt wird das Haus jedoch von Revo.
Dieses Modell verspricht Skalenvorteile, weil ein Betreiber viele unterschiedliche Marken parallel managen kann. Gleichzeitig steigen aber die Anforderungen: Jede Marke hat eigene Standards, IT-Systeme, Berichtspflichten und Gebühren. Wenn Auslastung und Erlöse sinken, schlagen diese festen Kosten besonders stark durch.
Revo sucht nach internationalen Investoren, um die Sanierung voranzutreiben. Ziel ist nach Unternehmensangaben eine zügige Restrukturierung und eine langfristige Fortführung der Gruppe. Für die Dauer der Sanierung hatte Rechtsanwalt Gordon Geiser die Geschäftsführung der betroffenen Gesellschaften übernommen. Mit den in Eigenverwaltung beantragten Verfahren bestünden „gute Aussichten für eine zügige Sanierung und eine langfristige Fortführung“, erklärte Geiser im Januar. Nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld soll die Neuaufstellung bis zum Sommer 2026 abgeschlossen sein.