Hundepsychologe Marc Ebersbach

„Den klassischen Problemhund gibt es nicht“


23.09.2026 – 12:05 UhrLesedauer: 6 Min.

Der Psychologe und sein Patient: Marc Ebersbach mit einem der Hunde, die er trainiert hat.

Der Psychologe und sein Patient: Marc Ebersbach mit einem der Hunde, die er trainiert hat. (Quelle: Marc Ebersbach)

Marc Ebersbach ist Hundepsychologe und kennt auch die dunkelsten Seiten der Hundehaltung. Warum das Problem meist nicht beim Tier liegt, erklärt er im Interview.

Mit der Hundeerziehung ist es so eine Sache. Jeder Hundetrainer und auch viele Besitzer meinen, das Geheimrezept schlechthin gefunden zu haben, um ihren Hund Gehorsam beizubringen. Gerade in den sozialen Medien tummeln sich viele vermeintliche Experten – die mit ihren Tipps manchmal aber sogar mehr Schaden als Gutes anrichten.

Wenn der Hund dann trotz – oder manchmal auch wegen – des Trainings immer noch unerwünschte Verhaltensweisen an den Tag legt, hilft in einigen Fällen nur noch eins: der Besuch beim Hundepsychologen. Marc Ebersbach ist einer der bekanntesten Hundepsychologen Deutschlands. t-online hat mit ihm über seine Arbeit, die „toxische Hunde-Bubble“ und vermeintliche Problemhunde geredet.

t-online: Herr Ebersbach, was war Ihr schwierigster Fall?

Marc Ebersbach: Einer meiner emotional schwierigsten Fälle war ein sieben Monate alter Schäferhund. Er kam hochaggressiv auf den Trainingsplatz, und gleichzeitig sah ich: Dieses Tier ist zutiefst verängstigt. Ich fragte den Halter: „Du hast den Hund seit dem Welpenalter. Was hast du mit ihm gemacht, dass er so außer Kontrolle geraten ist?“ Er erzählte mir, er habe einen Onlinekurs belegt. Dort habe der Trainer ihm gesagt, er müsse den Hund als Erstes „brechen“. Wenn er gebrochen sei, könne man ihn neu aufziehen.

Konnten Sie dem Hund helfen?

Wir haben dann mit dem Hund trainiert. Später sagte mir eine Kollegin, dass die auch anwesende Ehefrau des Halters ihr gesagt hat, sie glaube nicht, dass der die Methoden, die wir ihm hier vermittelt haben, umsetzen wird. Er wird so weitermachen, auch wenn wir hier sind und sehen, was mit dem Hund ist. Solche Fälle machen mich wirklich traurig.

(Quelle: Sophie De Saedeleer)

Zur Person

Marc Ebersbach ist einer der bekanntesten Hundepsychologen (@_hundepsychologe bei Instagram) im deutschsprachigen Raum. Viele seiner Kunden wenden sich erst an ihn, nachdem sie mit ihrem Hund nahezu alles ausprobiert haben und kurz davorstehen zu verzweifeln, ihren Hund aber nicht aufgeben und ihm unbedingt helfen wollen. Sein Buch „Letzte Rettung: Hundepsychologe“ ist kürzlich erschienen.

Was ist die Motivation solcher Menschen, sich überhaupt ein Tier zuzulegen?

Ein Tier muss manchmal als Ersatz für vieles herhalten: Status, Anerkennung, Sicherheit. Ich hatte einmal einen sehr jungen, unerfahrenen Mann mit einem Dobermann im Training. Der Hund war außer Kontrolle und für mich war klar: Er hatte ihn sich als Statussymbol und Schutz zugelegt.

Gibt es diese eine Sache, die besonders viele Hundebesitzer falsch machen, ohne es zu wissen?

Wenn wir nur über Methoden reden: der klassische Leinenruck. Das machen viele Menschen, ohne es überhaupt zu bemerken. Grundsätzlich ist aber das größte Problem, dass Menschen Stressverhalten nicht erkennen. Sie sehen ein Verhalten und wollen es korrigieren. Sie fragen sich aber nicht: Ist mein Hund in diesem Moment überhaupt lernfähig? Viele Hunde sind es unter starkem Stress nicht. Deshalb wiederholt sich das Verhalten immer wieder. Das Gehirn des Tiers zieht in diesem Zustand nicht die Rückschlüsse, die zu einer Verhaltensänderung führen könnten.

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