H-Kennzeichen ab 2027

Mercedes‘ Elchtest-Flop wird zum Oldtimer


18.10.2026 – 08:46 UhrLesedauer: 6 Min.

Mercedes A-Klasse: Beim Elchtest wird das Fahr- und Sicherheitsverhalten bei abruptem Hin- und Herlenken überprüft. Das Kompaktmodell kippte um. (Quelle: Ingo Wagner/dpa)

Beinahe 30 Jahre ist es her, dass die Mercedes A-Klasse beim Elchtest umfiel. Im kommenden Jahr können erste Modelle das H-Kennzeichen erhalten.

1997 wollte Mercedes-Benz eine Revolution starten: Die Schwaben wollten beweisen, dass ein Auto mit Stern nicht immer lang, schwer und repräsentativ sein muss. Die neue A-Klasse war kurz, hoch, variabel und für die Marke ein Bruch mit vielen Gewohnheiten. Dann kam der Elchtest – und plötzlich sprach ganz Europa über einen kleinen Mercedes, der bei einem Fahrversuch in Schweden umgekippt war.

Drei Jahrzehnte später wird die A-Klasse zum Oldtimer-Kandidaten. Ab 2027 erreichen die ersten Exemplare der Mercedes-Benz A-Klasse der Baureihe W168 die Altersgrenze fürs H‑Kennzeichen. Automatisch gibt es das H aber nicht: Entscheidend ist das konkrete Datum der Erstzulassung. Ein Auto, das im Dezember 1997 erstmals zugelassen wurde, erfüllt die Altersvoraussetzung also erst im Dezember 2027.

Für Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind und über ein „Oldtimer“-Gutachten verfügen, gibt es das H-Kennzeichen. (Quelle: Carsten Rehder/dpa./dpa)

Dann gibt es das H-Kennzeichen

Das Fahrzeug muss weitgehend dem Originalzustand entsprechen, gut erhalten sein und ein entsprechendes Gutachten bestehen. Ein 30 Jahre altes Auto ist also nicht automatisch ein Oldtimer.

Mercedes-Benz A-Klasse: Erst gekippt, bald ein Oldtimer

A-Klasse: Das erste Kompaktmodell der Schwaben erlangte durch einen Ausweichtest in Schweden Berühmtheit. (Quelle: Daimler))

Die erste A-Klasse war für Mercedes-Benz Teil einer Produktoffensive, mit der die Marke Ende der 1990er-Jahre breiter aufgestellt werden sollte. Nach Jahrzehnten in Oberklasse und oberer Mittelklasse hatte Mercedes schon mit dem 190er in den 1980er-Jahren das Angebot nach unten erweitert. Die A-Klasse ging noch einen Schritt weiter. 1997 stand die Serienversion auf dem Genfer Autosalon. Die Baureihe W168 wurde bis 2005 gebaut, insgesamt entstanden mehr als 1,1 Millionen Fahrzeuge.

Technisch war die A-Klasse ungewöhnlich. Sie war der erste serienmäßig produzierte Mercedes-Pkw mit Frontantrieb. Dazu kam das sogenannte Sandwichkonzept: Motor, Getriebe und weitere technische Bauteile saßen vor und unter dem Fahrzeugboden. Bei einem schweren Frontalaufprall sollte sich die Motor-Getriebe-Einheit unter den Passagierraum schieben.

Wegen des doppelten Bodens saßen die Insassen vergleichsweise hoch. Die Fondsitzbank ließ sich verschieben oder herausnehmen, der Beifahrersitz war auf Wunsch ebenfalls demontierbar. Dazu kamen eine große Heckklappe, eine niedrige Ladekante und ein ebener Laderaumboden.

Doch das Image der A-Klasse wurde zunächst nicht vom Raumkonzept geprägt, sondern von einem Ereignis am 21. Oktober 1997. Bei einem Fahrversuch der schwedischen Zeitschrift „Teknikens Värld“, dem sogenannten Elchtest, kippte eine A-Klasse um. Für Mercedes war das ein massives Problem – auch deshalb, weil die A-Klasse eigentlich zeigen sollte, dass ein kleiner Mercedes genauso sicher und durchdacht sein kann wie ein großer. Das Image war ramponiert. Mercedes rüstete die A-Klasse serienmäßig mit dem Elektronischen Stabilitätsprogramm ESP und dem Bremsassistenten BAS aus. Außerdem bekam das Auto ein strafferes Fahrwerk, eine tiefergelegte Karosserie und breitere Reifen.

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