
Begünstigt viele Erkrankungen
Diese Art von Bauchfett wirkt besonders entzündungsfördernd
21.01.2026 – 08:57 UhrLesedauer: 2 Min.
Bauchfett schadet der Gesundheit, das ist lange bekannt. Laut einer neuen Studie wirkt sich aber nicht jede Art von Bauchfett gleich auf den Körper aus.
Fettpolster unmittelbar unter der Haut mögen manche optisch stören, sind aber harmlos: In ihnen speichert der Körper Energie. Das viszerale Fett, das die inneren Organe in der Bauchhöhle umgibt, gilt hingegen als gefährlich, weil es kein reines Kraftdepot ist: Es setzt Botenstoffe frei, die den Stoffwechsel beeinflussen und Entzündungen in Gang setzen. Wer zu viel davon in sich trägt, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für schwerwiegende Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und Arteriosklerose.
Allerdings ist das Fett im Bauchraum offenbar keineswegs eine einheitliche Masse. Eine jüngst im Fachjournal „Cell Metabolism“ veröffentlichte Studie zeigt: Das Fettgewebe entlang des Dickdarms enthält ungewöhnlich viele entzündungsaktive Fettzellen und Immunzellen. Das bedeutet, dass dieses darmnahe Bauchfett nicht einfach nur Energie speichert, sondern aktiv Entzündungsprozesse im Körper antreiben kann.
Die Forschenden entnahmen bei Menschen mit schwerem Übergewicht Fettproben aus verschiedenen Bauchregionen. Darin untersuchten sie, welche Zelltypen darin vorkommen und was diese tun.
Den Ergebnissen zufolge hat das nahe dem Dickdarm gelegene Fett eine besondere Aufgabe: Es steht im engen Austausch mit dem Immunsystem. In ihm fanden die Forscherinnen und Forscher eine hohe Konzentration von Zellen, die entzündungsfördernde Proteine freisetzen können. Diese Proteine wiederum aktivieren umliegende Zellen des Immunsystems und verstärken so Entzündungen im Gewebe.
Auslöser solcher Entzündungen könnten Signale aus dem Darm sein, genauer: vom Darmmikrobiom, den im Darm lebenden Bakterien und anderen Mikroorganismen. Schon länger ist bekannt, dass Übergewicht häufig mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmwand einhergeht. Bestandteile von Darmbakterien können somit leichter in den Körper gelangen.
Der neuen Untersuchung zufolge scheint das Dickdarm-Fett diese Bestandteile als Alarmzeichen zu werten. „Unsere Studie zeigt, dass das Fettgewebe rund um den Dickdarm bakterielle Signale wahrnehmen und gezielte Immunreaktionen auslösen kann“, erklärt einer der Studienautoren, Lucas Massier, Junior-Gruppenleiter am Helmholtz-Institut für Metabolismus-, Adipositas- und Gefäßforschung (HI-MAG) in Leipzig, in einer Pressemitteilung.
Ob das neue Möglichkeiten für die Behandlung von Übergewicht und damit verbundene Erkrankungen eröffnen könnte, lässt sich noch nicht sagen. Zunächst muss geklärt werden, inwieweit sich die Ergebnisse der Studie überhaupt verallgemeinern lassen: Da die Fettgewebeproben von nur acht stark adipösen Testpersonen stammen, ist nicht gewiss, was die Erkenntnisse für Menschen mit weniger stark ausgeprägtem Übergewicht und Normalgewicht bedeuten.