Leben mit Tinnitus
Diese fünf Hilfen machen ständige Ohrgeräusche erträglicher
Aktualisiert am 27.04.2026 – 07:43 UhrLesedauer: 4 Min.
Ständiges Piepen, Pfeifen und Klingeln sind für Tinnitus-Betroffene oft extrem belastend. Was den Umgang mit den Ohrgeräuschen erleichtert.
Jeden Tag mit Ohrgeräuschen leben zu müssen, ist für Tinnitus-Betroffene eine enorme Herausforderung. Es gibt jedoch Strategien, die dabei helfen, besser mit den nervigen Tönen im Ohr umzugehen. Fünf Tipps, die den Umgang mit Tinnitus erleichtern können, möchten wir Ihnen vorstellen.
Chronischer Tinnitus – die tägliche Belastung
Der medizinische Fachbegriff „Tinnitus“ umfasst alle Formen von Ohrgeräuschen, die von Betroffenen wahrgenommen werden, ohne dass eine äußere Schallquelle vorhanden ist. Der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. (DTL) zufolge hat jeder Vierte schon einmal Geräusche im Ohr wahrgenommen. Während sich der akute Tinnitus innerhalb von drei Monaten zurückbildet, begleitet die chronische Form Betroffene oft über viele Jahre hinweg. Etwa 250.000 Deutsche bekommen jährlich einen chronischen Tinnitus. Das Erleben von Tinnitus ist so individuell wie der Betroffene selbst. Manche hören die Ohrgeräusche nur sehr leise, andere sehr laut.
Während der leise, eher unauffällige Tinnitus von den Betroffenen oft gut ausgeblendet werden kann, ist der schwere Tinnitus ein belastender Dauerbegleiter. Rund 1,5 Millionen Menschen hierzulande leiden laut der DTL sehr unter ihren Ohrgeräuschen. Die ständigen Töne im Ohr schränken die Lebensqualität stark ein. Betroffene können oft nicht schlafen, sind in ihrer Konzentration deutlich beeinträchtigt oder sogar psychisch stark belastet. Stark ausgeprägter Tinnitus kann unter anderem Angstzustände und Depressionen begünstigen.
Kompensierter und dekompensierter Tinnitus
Experten unterteilen Tinnitus in verschiedene Schweregrade – abhängig vom Leidensdruck der Betroffenen. Bei einem kompensierten Tinnitus nimmt die betroffene Person die Ohrgeräusche zwar wahr, fühlt sich von ihnen in ihrem Alltag aber nicht oder nur gering beeinträchtigt. Bei dem dekompensierten Tinnitus verspürt die betroffene Person einen erheblichen Leidensdruck und fühlt sich durch die Ohrgeräusche stark beeinträchtigt. Je stärker der Tinnitus in das Leben eingreift, desto wichtiger sind Unterstützungsangebote, die dabei helfen, die Aufmerksamkeit von den Ohrgeräuschen abzulenken. Fünf Hilfen im Umgang mit Ohrgeräuschen.
Hilfe 1: Verhaltenstherapie gegen Tinnitus
Sind Betroffene von Tinnitus stark belastet, empfiehlt sich die therapeutische Begleitung im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie. Die kognitive Verhaltenstherapie ist die Behandlung der Wahl bei belastendem Tinnitus. Die Verhaltenstherapie verfolgt den Ansatz, dass die Belastung weniger von der Lautstärke der Ohrgeräusche abhängt als davon, wie man damit umgeht. Im Rahmen der Therapie lernen Betroffene, die Geräusche besser in ihr Leben zu integrieren, und erfahren Unterstützung auf dem Weg hin zu einem stabileren Umgang mit dem Tinnitus.
Sie entwickeln Bewältigungsstrategien, die zu ihren Bedürfnissen passen, und erfahren dadurch Selbstwirksamkeit. Das hilft, Gefühle wie Hilflosigkeit, Kontrollverlust und Angst zu lindern. Auch gibt die Therapie Halt, wenn die Belastung durch die Geräusche im Ohr besonders intensiv ist und dadurch das Risiko für Angststörungen und Depression steigt.
Hilfe 2: Tinnitus-Bewältigungs-Therapie
Die Tinnitus-Bewältigungs-Therapie (TBT) hat das Ziel, den durch die Ohrgeräusche hervorgerufenen Stress zu lindern. Die TBT setzt an der Tinnitus-Gewöhnung (Habituation) an und fördert die Akzeptanz und damit das mögliche „Vergessen“ des Tinnitus. Zugleich werden Ablenkungsstrategien und Methoden zur Stressbewältigung vermittelt. Die TBT ist in der Patientenleitlinie „Chronischer Tinnitus“ als Hilfe zur Selbsthilfe bei Tinnitus empfohlen. Eine Tinnitus-Bewältigungs-Therapie könne „die Habituation des Ohrgeräusches verbessern, jedenfalls bei längerfristigem Einsatz“. Das sogenannte Tinnitus-Counseling umfasst:
