Debatte um Rentenreform
Neue Zahlen zeigen Dilemma der „Rente mit 63“
Aktualisiert am 02.10.2026Lesedauer: 3 Min.

Die SPD will die „Rente mit 63“ erhalten, wenn auch modifiziert. Zahlen der Rentenversicherung zeigen: Damit ließe sich nur vergleichsweise wenig Geld einsparen.
Soll die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abgeschafft werden oder nicht? Kaum ein anderes Thema rund um die Rentenreform löst derzeit eine solche Debatte aus. Im Plan der Rentenkommission ist die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 ein zentrales Vorhaben, um die eingesparten Milliarden für die Stabilisierung der Rente einzusetzen. Eigentlich, so hatten es Arbeitsministerin Bärbel Bas und Kanzler Friedrich Merz im Sommer angekündigt, wollte die Regierung die Rentenreform als Komplettpaket umsetzen.
Zwar sehen die Pläne der Kommission eine Ersatzlösung für diejenigen vor, die gesundheitlich nicht in der Lage sind, so lange zu arbeiten. Doch vielen Kritikern reicht das nicht. Auch SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf äußerte vergangene Woche in der TV-Sendung „Maybrit Illner“ große Zweifel an der Abschaffung. Er finde, „dass es einen Unterschied machen muss, ob ich wirklich 45 Jahre eingezahlt habe oder ob ich ebendiese Zeitstrecke nicht absolviert habe“, sagte er. Es sei der Wunsch der SPD, auch in Zukunft nach Beitragsjahren in Rente gehen zu können, „ob es 45 sind, möglicherweise verständigt man sich auch auf eine andere Zahl“.
Der Großteil geht erst nach mindestens 47 Jahren
Zahlen, die die Fraktion der Linken nun beim Arbeitsministerium angefordert hat und die t-online exklusiv vorliegen, zeigen: Auch wenn die Regierung aus der abschlagsfreien Rente mit 45 Beitragsjahren eine mit 47 Beitragsjahren machte, würde sie deutlich weniger Geld einsparen, als wenn sie sie ganz abschaffen würde. Denn mehr als die Hälfte derjenigen, die die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren in Anspruch nehmen, tun dies heute schon nach mindestens 47 Jahren. Die folgende Grafik zeigt die genaue Aufteilung für 2025:
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So zeigen die Zahlen, dass 2025 rund 55 Prozent der Bezieher dieser Rentenart 47 Beitragsjahre und mehr vorweisen konnten. Insgesamt zeichnet die Statistik der Rentenversicherung 244.695 Renten für besonders langjährige Versicherte aus. Davon haben 134.645 mindestens 47 Jahre, 110.050 haben 46 Jahre oder weniger eingezahlt. Fast 40.000 Menschen nahmen hingegen vor dem Erreichen von 45 Beitragsjahren die „Rente mit 63“ in Anspruch. Das sind oft Frauen, deren Erziehungszeiten angerechnet worden sind. Denn nicht nur Beitragsjahre fließen derzeit in die Berechnung mit ein, sondern auch Versicherungsjahre, wodurch etwa Erziehungszeiten, Pflege von Angehörigen oder auch Wehr- und Zivildienst angerechnet werden.
Linken-Politikerin Vollath: „Bundesregierung muss Irrweg verlassen“
Die rentenpolitische Sprecherin der Fraktion, Sarah Vollath, kritisiert vor dem Hintergrund dieser Zahlen die geplante Abschaffung. „Die meisten Menschen, die die Rente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch nehmen, haben mehr als 47 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt“, sagte Vollath t-online. „Wer so lange gearbeitet und eingezahlt hat, hat sich eine abschlagsfreie Rente mehr als verdient.“
