SPD-Machtverlust nach 35 Jahren
Die Genossen sind wütend – und zeigen auf Berlin
Aktualisiert am 22.03.2026 – 21:56 UhrLesedauer: 5 Min.
Auf der „Wahlparty“ der SPD in Mainz verschlägt es den Genossen die Sprache. Viele sind enttäuscht und frustriert – und sehen die Schuld vor allem bei der Bundespartei.
Es herrscht absolute Stille im Saal 201 im rheinland-pfälzischen Landtag, als um 18 Uhr die erste Wahlprognose über den Bildschirm flackert. CDU 30,5 Prozent, SPD 26,5 Prozent, AfD 20 Prozent, Grüne 8,5 Prozent. Niemand regt sich, keiner sagt etwas.
Die Stille wird nur von den Jubelschreien der CDU durchbrochen, die ein paar Räume weiter ihre Wahlparty feiert. Die Fassungslosigkeit in den Gesichtern der Genossen wirkt angesichts des Jubels nebenan, der langsam in Gröhlen übergeht, fast tragisch. Glanz und Elend liegen an Wahlabenden oft dicht beieinander – in Mainz trennen sie an diesem Sonntag nur wenige Meter.
Eigentlich wollten sie auf der SPD-Wahlparty ihren „Alex“ feiern. Ihren SPD-Ministerpräsidenten – einen der letzten seiner Art – und stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Den Pragmatiker, der eigentlich, so sehen sie das in Mainz, die richtigen Akzente setzte, die SPD wieder näher an die Bürger ziehen wollte. Der aber am Ende doch verlor.
Und wie er verlor: Mit Alexander Schweitzer geht eine sozialdemokratische Ära zu Ende. 35 Jahre lang war das Land zwischen Rhein und Mosel in roter Hand. Rudolf Scharping, Kurt Beck, Malu Dreyer: Rheinland-Pfalz galt als stabile SPD-Bastion im Südwesten. Das ist nun vorbei. Die Wahlniederlage ist zweifellos eine Zäsur für die rheinland-pfälzische SPD, die noch lange nachhallen wird. Und sicherlich nicht nur bei ihr, sondern auch in der Bundespartei.
Entsprechend gedrückt ist die Stimmung auf der Wahlparty. „Es tut mir leid, ich kann gerade nicht sprechen“, sagt ein Genosse und eine Genossin meint: „Ich muss das erst mal verdauen.“
Vielen hier hat es die Sprache verschlagen, andere schauen konsterniert auf den Bildschirm mit den gnadenlosen, bunten Balken. Auch die Nachwahlbefragungen können die Stimmung nicht aufhellen. Im Gegenteil. Etwa jene, die ergab, dass nur ein Drittel der SPD-Wähler die Partei wegen ihres Programms gewählt haben (die meisten wegen Schweitzer). Oder jene, laut der über 71 Prozent der befragten Wähler finden, dass die SPD nicht mehr an der Seite der Arbeitnehmer steht. Es sind Zahlen, die man schon aus anderen Bundesländern kannte, die aber nun auch für das eigene gelten.
