
IW-Experte Matthes erklärt: „Die weitere Eskalation kommt zu einem Zeitpunkt, an dem wir noch nicht optimal darauf vorbereitet sind.“ Es geht zwar wieder aufwärts für die Wirtschaft, das IW erwartet für dieses Jahr Wachstum von 0,9 Prozent, der Internationale Währungsfonds schätzte am Montag sogar einen Zuwachs von 1,1 Prozent. Dabei könne man sich allerdings nicht auf Exporte verlassen, betont Matthes.
Das erwartete Wachstum ist laut Matthes „weitgehend staatsgetrieben, nun müssen die Bedingungen für private Nachfrage gestärkt werden“. Es brauche umfassende Reformen für die deutsche Wirtschaft, etwa den Abbau von Bürokratie, niedrigere Energiekosten und sinkende Sozialversicherungsbeiträge.
Schaffe es Deutschland so, seine Wirtschaft selbst anzutreiben, seien auch zusätzliche Zölle von zehn Prozent verkraftbar, glaubt Matthes. „Wir haben es zum Teil selbst in der Hand, wie stark die Zölle uns verwunden können.“ Daher glaubt der Ökonom auch, dass die meisten Unternehmen bei zusätzlichen Zöllen von zehn Prozent ihre Strategie nicht ändern. Wenn die Zölle im Juni tatsächlich ansteigen sollten, gelte das aber nicht mehr: „Bei 25 Prozent sieht es wahrscheinlich anders aus.“
DIW-Präsident Fratzscher forderte derweil weitere Zusammenarbeiten. „Es ist höchste Zeit, dass die EU – und vor allem die Bundesregierung – globale Kooperationen mit China und anderen stärkt, um Trump Paroli zu bieten.“ IW-Ökonom Matthes ist skeptisch: „Wir brauchen bloß kein Handelsabkommen mit China, die haben schon genug unfaire Wettbewerbsvorteile – zumal es dort ohnehin immer weniger Nachfrage nach unseren Produkten geben wird.“ Vielmehr müsse man sich nur auf Indien, Indonesien und andere südostasiatische Staaten konzentrieren.