
Endlich gute Nachrichten: Die EU hat nach 25 Jahren ein Freihandelsabkommen mit zentralen lateinamerikanischen Ländern geschlossen. Das ist auch eine Ansage an Donald Trump und Xi Jinping.
Man muss die Feste feiern, wie sie fallen – und jetzt kann Europa einen Moment lang feiern. Die Unterzeichnung des Handelsabkommens mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ist ein Erfolg für den Multilateralismus, für die Wirtschaft, für eine Welt, die auf Regeln und Ordnung aufgebaut ist. Es ist ein Lichtblick nach einer Woche voller beängstigender Nachrichten aus den USA über den Angriff auf Venezuela und den drohenden Zerfall der Nato wegen Trumps Grönland-Fantasien.
Mit dem Mercosur-Abkommen entsteht eine Freihandelszone, die mehr als 700 Millionen Menschen umfasst. Die gebeutelte europäische Wirtschaft bekommt Zugang zu einem neuen Exportmarkt und kann damit die eigene Industrie stärken und ausbauen. Donald Trump will keine europäischen Autos mehr? Fein, vielleicht freuen sich die Brasilianer ja darüber.
Zugleich kann die EU ihre eigenen Importe diversifizieren und Abhängigkeiten von China und den USA verringern. Strategisches De-Risking, also das Minimieren von Risiken und Abhängigkeiten, wird einfacher und günstiger – für die Wirtschaft gibt es keine Ausreden mehr. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte schon im Herbst deutsche Unternehmer scharf dafür kritisiert, dass sie sich von einzelnen Märkten so abhängig gemacht hätten. Dafür habe sie, nach allem, was Europa seit 2020 erlebt habe, „kein Verständnis“ sagte sie damals – völlig zu Recht.
Dass es 25 Jahre gedauert hat, bis das Handelsabkommen endlich unterzeichnet werden konnte, hat natürlich Gründe, einige davon mögen auch berechtigt sein. Deshalb hat auch Frankreich bis zum Schluss nicht zugestimmt, zu groß war der Druck der Landwirte auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Dass der wichtigste deutsche Partner in Europa nicht zugestimmt hat, trübt die Freude um Mercosur daher etwas.
Doch es ist kein Zufall, dass die übrigen Europäer jetzt zugestimmt haben: Sie haben es endlich verstanden. Die Situation ist so ernst, dass man nicht mehr über jedes noch so kleine Detail jahrelang diskutieren kann. Der Deal ist nicht perfekt, aber gut – und das muss reichen.