Trainer Dick Schreuder setzt auf Chaos

Dass der kleine Klub aus dem Osten der Niederlande ähnlich oft Gegentore hinnimmt, wie er selbst Treffer erzielt, ist weniger auf eine ungleiche Verteilung der Qualität innerhalb des Kaders zurückzuführen. Vielmehr fußt es auf dem taktischen Ansatz von Trainer Dick Schreuder, Bruder von DFB-Assistenzcoach Alfred Schreuder. Der 54-Jährige, unter seinem Bruder einst Co-Trainer in Hoffenheim, hat NEC im Sommer übernommen. Vorgänger Rogier Meijer, mittlerweile Assistenzcoach in Leverkusen, hatte das Team 2021 zurück in die erste Liga geführt und dort etabliert. Nach fünf gemeinsamen Jahren trennten sich die Wege. Der Klub wollte eine Veränderung und bekam sie.

„Schreuder hat eine etwas aggressivere Art, Dinge anzugehen. Mein Namensvetter ist da etwas anders. Für eine Mannschaft ist es aber grundsätzlich ganz gut, nach vielen Jahren auch mal eine andere Ansprache zu erleben“, ordnet Meijer den Wechsel auf der Trainerbank ein. Der Sky-Experte hebt die konsequente, in Phasen impulsive, Art Schreuders hervor: „An der Außenlinie zieht er mit seiner Körpersprache Aufmerksamkeit auf sich. In ihm steckt ein kleiner Diego Simeone.“

Dick Schreuder: Er trainiert die NEC Nijmegen seit Sommer 2025. (Quelle: IMAGO/Pieter van der Woude/imago)

Der Coach ordnet seine Mannschaft in der Regel in einer 3-4-2-1-Formation an – „so ungefähr zumindest“. Denn das geplante Chaos ist Teil von Nijmegens Matchplan. „Sie treten sehr flexibel, sehr fluide auf. Sie wechseln permanent die Positionen und kreieren damit Unruhe beim Gegner“, beobachtet Meijer.

Der Experte nennt ein Beispiel: „Der linke Schienenspieler kann auch im Sturmzentrum auftauchen.“ Ebenso können Innenverteidiger plötzlich als Flügelstürmer in Erscheinung treten. Immer wieder rücken Spieler nach einem vorwärts gerichteten Pass auf. Schreuder und seine Mannschaft treiben es mit den permanenten Positionswechseln auf die Spitze – ein in dem Maße revolutionärer Ansatz. Niederländische Medien tauften den Stil „Dickie-Taka“. „Der Trainer schafft es, alle im Team mitzureißen. Anders würde der Ansatz aber auch nicht funktionieren“, lobt Meijer.

Ein Hauch Nijmegen weht schon durch die Bundesliga

Eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Klubs spielt auch die Transferstrategie der vergangenen Jahre. Im zurückliegenden Sommer verkauften die Niederländer Torhüter Robin Roefs für 10,5 Millionen Euro nach Sunderland. Er ist der teuerste Abgang der Klubgeschichte. Im Winter folgte der Verkauf von Kento Shiogai nach Wolfsburg, er brachte 9,5 Millionen Euro ein und ist damit der zweitteuerste Abgang. Das zeigt einen klaren Trend, denn seit 2023 hat der Verein sechs seiner neun werthaltigsten Verkäufe getätigt.

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