
Forderungen nach Rückholung deutscher Reserven
„Unser Gold in den Tresoren der Fed ist nicht mehr sicher“
22.01.2026 – 03:21 UhrLesedauer: 2 Min.
Sollen die deutschen Goldbestände aus den USA zurückgeholt werden? Einige Experten sind dafür, unter anderem ein Ex-Bundesbanker.
Der frühere Leiter der Forschungsabteilung der Bundesbank, Emanuel Mönch, fordert eine Rückholung der deutschen Goldreserve aus den USA. Er sagte am Mittwoch dem „Handelsblatt“: Es scheine „aktuell riskant, so viel Gold in den USA zu lagern.“ In der US-Metropole lagern deutsche Reserven in Höhe von 164 Milliarden Euro. Mönch betonte, im Sinne einer „größeren strategischen Unabhängigkeit von den USA wäre die Bundesbank darum gut beraten, über eine Rückholaktion nachzudenken“.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel lehnt bislang eine Verlagerung ab. Neben Mönch brachte auch die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Beck, eine Verlagerung ins Spiel. Die Goldreserven seien „ein wichtiger Stabilitäts- und Vertrauensanker“, sagte sie dem „Handelsblatt“. „Sie dürfen auf keinen Fall zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden.“ Solange US-Präsident Donald Trump regiere, sei ein solches Szenario wohl am sichersten ausschließen, „wenn die Goldreserven ab jetzt in Deutschland verwahrt werden“.
Der Europäische Steuerzahlerbund forderte ebenfalls eine Rückholung. „Trump ist nicht kalkulierbar, und er tut alles, um Einnahmen zu generieren“, sagte der Chef der Taxpayers Associaton of Europe (TAE), Michael Jäger, der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). „Darum ist unser Gold in den Tresoren der Fed nicht mehr sicher“, führte er aus. Das Risiko steige, „dass die Deutsche Bundesbank nicht mehr auf ihr Gold zugreifen kann“, warnte Jäger und betonte zugleich, dass die Bundesbank unabhängig sei und eine solche Entscheidung treffen könne. „Sie muss nicht demütig sein gegenüber der Politik.“
Die Bundesbank lagert 1.236 Tonnen Gold bei der regionalen US-Notenbank Fed in New York. Gegen eine Rückholung sprachen sich Vertreter der Regierungskoaltion aus.
Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Fritz Güntzler (CDU), sagte der Zeitung, es sei weiter sinnvoll, einen Teil der Reserven in den USA zu lagern: „In der aktuellen Lage öffentlichkeitswirksam über einen Abzug der Goldreserven zu spekulieren, ist dagegen nicht förderlich.“
Die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Frauke Heiligenstadt, kann Sorgen um die Goldreserven nach eigenen Angaben zwar nachvollziehen, rät aber von „Panik“ ab: „Die deutschen Goldreserven sind gut diversifiziert angelegt.“ Die Hälfte liege in Frankfurt, „so dass unsere Handlungsfähigkeit sichergestellt ist“. Der Standort New York sei sinnvoll, denn „Deutschland, Europa und die USA sind finanzpolitisch eng miteinander verbunden“.