Vernetzt in Hass-Gruppen
Ermittler: Deutscher Neonazi wollte Anschlag mit vielen Toten verüben
22.09.2026 – 16:13 UhrLesedauer: 3 Min.

Telegramgruppen und Chat-Server als Brutstätte von Hass und Terrorfantasien: Ein minderjähriger Deutscher wird verdächtigt, gemeinsam mit polnischen Neonazis einen Anschlag mit vielen Toten geplant zu haben.
Der polnische Inlandsgeheimdienst (ABW) ist auf ein Netzwerk von minderjährigen Neonazis gestoßen, das mörderische Anschläge auf eine Moschee und eine Schule geplant haben soll. Unter den bislang fünf bekannten Verdächtigen ist ein Deutscher. Er soll laut polnischen Behörden signalisiert haben, zur Ausführung eines Anschlags bereit zu sein.
Die Gruppe kommunizierte demnach online über Gruppen des Messengerdienstes Telegram und über Server der Plattform Discord im Umfeld der sogenannten Atomwaffendivision. Die „Atomwaffendivision“, eine 2015 in den USA gegründete terroristische Gruppe, ist Keimzelle eines transnationales Netzwerks, das Rechtsterrorismus weltweit anstacheln will. Ziel derartiger Gruppen ist, einen ohnehin erwarteten apokalyptischen „Rassenkrieg“ loszutreten.
Die im aktuellen Fall Verdächtigen tauschten sich den polnischen Ermittlungen zufolge in ihren Gruppen über vergangene Anschläge aus, über die Täter, und welche Schlüsse sich daraus ziehen lassen. Ein ABW-Sprecher zu t-online: „Sie analysierten die Vorgehensweise der Terroristen und sahen das als Inspirationsquelle.“ In Gesprächen sei es um die Planung potenzieller Anschläge gegangen.
Darin war der Deutsche offenbar besonders verwickelt. „Nach den vorliegenden Informationen hat er seine Bereitschaft erklärt, einen bewaffneten Anschlag aus rassistischen, fremdenfeindlichen und religiösen Motiven zu verüben“, heißt es seitens der polnischen Ermittler. Bislang machen sie jedoch keine Angaben dazu, wie weit die Pläne fortgeschritten waren oder ob der Anschlag in Deutschland oder Polen hätte verübt werden sollen.
Der ABW-Sprecher wollte auf Anfrage von t-online auch zunächst keine weiteren Angaben zu dem Deutschen machen. Gegen ihn laufe in Deutschland ein Verfahren. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe konnte zu dem Fall zunächst nichts sagen.
Den Hauptverdächtigen auf polnischer Seite hat die Nationale Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Vorbereitung eines Anschlags mit vielen Toten angeklagt, wie sie mitteilte: Paweł G., ein 17-Jähriger aus Siemianowice Śląskie (deutsch: Siamonitz) in Schlesien. Der 17-Jährige bezeichnet sich laut Staatsanwaltschaft als unschuldig und verweigert bisher die Aussage. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis.
Ermittler stießen bei ihm auf Chats, in denen er einen solchen Anschlag besprochen haben soll. Darin sei von einer Schule und einer Moschee als Angriffsziele die Rede gewesen. Es ging den Ermittlern zufolge um das Auskundschaften solcher Ziele. Überlegt worden sei, wie ein Angriff mit Handgranaten und Molotowcocktails erfolgen könnte und wie sie an Waffen, Munition und weitere militärische Ausrüstung kommen könnten. Spezialkräfte fanden am Freitag bei der Durchsuchung der Wohnung des 17-Jährigen jedoch keine Schusswaffen, stattdessen entdeckten sie neben Propagandamaterial unter anderem das Bajonett eines Kalaschnikow-Sturmgewehrs.
