Razzia in München

Ermittler durchsuchen Büros der Deutschen Finance Group


04.11.2026 – 15:43 UhrLesedauer: 2 Min.

Schriftzug „Polizei“ auf einem Streifenwagen: Razzia bei Deutscher Finance verschärft die Fondskrise. (Quelle: David Inderlied)

Ein Münchner Fondshaus steckt tief in der Krise: Ein Fonds ist insolvent, Tausende Anleger bangen um ihr Geld. Nun sind auch Strafverfolger aktiv geworden.

Die Staatsanwaltschaft München I hat am Dienstag die Geschäftsräume der Deutschen Finance Group durchsucht. Zunächst hatte Bloomberg über die Razzia berichtet, das „Handelsblatt“ bestätigte sie anschließend. Hintergrund sind gemeinsame Immobilieninvestments des Münchner Fondshauses mit der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) in den USA.

Ermittler prüfen Bestechungsverdacht

Dem „Handelsblatt“ zufolge sollen die Ermittler dem Verdacht nachgehen, dass Manager der Deutschen Finance Mitarbeiter der Bayerischen Versorgungskammer mit Reisen und Vergünstigungen bestochen haben könnten. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Durchsuchung, erklärte aber, nähere Auskünfte könnten erst „in einigen Tagen“ gegeben werden. Ein Sprecher der Bafin erklärte am Dienstag gegenüber Bloomberg, dass die Behörde nicht an den Durchsuchungen in München beteiligt sei.

Die Deutsche Finance betonte, sie sei als „Dritte“ durchsucht worden, kooperiere mit den Ermittlungsbehörden und stehe mit ihnen seit längerer Zeit in Kontakt. Darüber hinaus wolle das Unternehmen aufgrund des laufenden Verfahrens keine Stellung nehmen. Die Bayerische Versorgungskammer lehnte eine Stellungnahme ab.

Razzia trifft kriselndes Unternehmen

Die Razzia trifft die Deutsche Finance Group in einer ohnehin schwierigen Lage. Das Amtsgericht München ordnete am 2. September 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung über den „DF Deutsche Finance Investment Fund 17 – Club Deal Boston II“ an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Michael Jaffé bestellt, der bereits die Wirecard-Insolvenz begleitete. Für die 1.187 Anleger des Fonds stehen Investitionen von 58 Millionen US-Dollar auf dem Spiel.

Der Fonds war ab Mai 2021 als geschlossener Publikumsfonds angeboten worden. Anleger konnten sich ab 25.000 US-Dollar zuzüglich fünf Prozent Ausgabeaufschlag beteiligen. Ziel war die Finanzierung eines Labor- und Bürogebäudes im Großraum Boston. Das Gebäude wurde 2024 fertiggestellt, blieb jedoch vollständig leer. Weder eine Vermietung noch ein Notverkauf kamen zustande.

Der Nettoinventarwert des Fonds brach im Geschäftsbericht für 2024 um 59 Prozent ein. Bereits Ende 2025 hatten die Wirtschaftsprüfer von KPMG massive Zweifel an der Fortführung des Fonds geäußert. Die Finanzaufsicht Bafin setzte daraufhin einen Sonderbeauftragten ein – auch weil das Unternehmen Berichte und Unterlagen zu Publikumsfonds massiv verspätet oder unvollständig eingereicht hatte.

50.000 Anleger betroffen

Insgesamt haben rund 50.000 Privatanleger in Deutschland etwa 1,4 Milliarden Euro in Fonds der Deutschen Finance Group investiert. Die Anwaltskanzlei Tilp wirft dem Unternehmen vor, die wahren Geschäftszahlen bewusst zurückzuhalten, um das Ausmaß der Verluste zu verschleiern. Die verzögerte Veröffentlichung von Berichten betreffe nicht nur den insolventen Fund 17, sondern zahlreiche weitere Fonds.

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