
Zugbegleiter im Regionalzug getötet
Lokführer wüten – 1:1-Konzept muss gekippt werden
10.02.2026 – 12:59 UhrLesedauer: 2 Min.
Nach einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter erhebt die Lokführergewerkschaft schwere Vorwürfe gegen die Bahn. Sie warnt seit Jahren vor Gewalt – und fordert klare Konsequenzen.
Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) scharfe Kritik am Bahn-Vorstand geübt. In einem offenen Brief wirft sie dem Management vor, bekannte Sicherheitsprobleme seit Jahren zu ignorieren. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert aus dem Brief.
Der tödliche Angriff sei „kein isoliertes, unvorhersehbares Einzelereignis“, schreibt die GDL. „Übergriffe, Bedrohungen und Gewalt gegen Beschäftigte im Zugbegleitdienst sind seit Jahren bekannt“, heißt es in dem Schreiben. Diese Probleme seien in der Vergangenheit sogar „durch den Vorstand selbst“ thematisiert worden – etwa in Gesprächen mit dem Gesamtbetriebsrat von DB Fernverkehr. Geändert habe sich dennoch nichts. Im Gegenteil: Die Lage habe sich weiter verschärft.
Im Gegensatz zum Regionalverkehr, wo das Besetzungskonzept Ländersache ist, verantwortet im Fernverkehr die Deutschen Bahn seine Ausgestaltung. Der offene Brief richtet sich also an das Führungsteam von DB Fernverkehr um Vorstand Michael Peterson und die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla. In sie setzen die Betriebsräte nach eigenen Angaben größere Hoffnungen. Ein Weiter-so sei aus Sicht der Gewerkschaft nicht möglich. „Ein unverändertes Fortführen der bisherigen Einsatz- und Besetzungskonzepte ist nach einem tödlichen Gewaltvorfall rechtlich nicht haltbar“, schreibt die GDL.
Besonders hart geht die Gewerkschaft mit dem sogenannten 1:1-Konzept im Fernverkehr ins Gericht. Dieses hatte die Bahn im Sommer 2024 eingeführt – trotz massiver Kritik der Gewerkschaften. Seitdem sind in vielen ICE-Zügen nur noch ein Zugchef und ein Zugbegleiter eingesetzt. Früher waren zwei, drei oder sogar vier Zugbegleiter für einen ICE zuständig.
Nach Angaben der GDL kommt es inzwischen sogar zu sogenannten 1:0-Besetzungen. In diesen Fällen sei nur noch eine Person an Bord für Betrieb, Service, Kontrollen und den Umgang mit Konflikten zuständig. „Diese Formen faktischer Alleinarbeit sind angesichts der bekannten Gewaltlage nicht hinnehmbar“, heißt es in dem Brief. Die Gewerkschaft fordert deshalb den „Ausschluss jeglicher 1:0-Besetzungen“. Alleinarbeit im Zugbegleitdienst stelle eine „unzulässige Gefährdung von Leben und Gesundheit dar“.