Sie meinen die Wahlparty des Bezirksverbands Neukölln, auf der der Clan-Chef Issa Remmo auftauchte und sich dort fotografieren und interviewen ließ?

Ja. Klar, er war auch bei Veranstaltungen der CDU, und die Neuköllner Linken sagen auch, sie hätten ihn nicht direkt erkannt. Aber das ändert nichts daran, dass der Remmo-Sohn Firas am Tag nach der Wahl einen vertrauten Austausch mit Ferat Koçak (Neuköllner Bundestagsabgeordneter der Linken Anm. d. Red.) postete, just nachdem unsere Spitzenkandidatin Elif Eralp sich distanziert hatte. Deswegen sage ich: Nichts, was man unter den Teppich kehrt, verschwindet.

Was erwarten Sie jetzt von Ihrer Parteiführung?

Ich erwarte, dass sie Elif Eralp darin unterstützt, wenn es um die Frage geht, wie gehen wir mit den Themen um. Wenn wir hier zu einem Bündnis mit SPD und Grünen kommen wollen, muss man erst mal die Kraft haben, alle an den Tisch zu bekommen. Der Besuch von Remmo ist das eine, der wurde bei der Wahlparty ja rausgeworfen. Aber wenn da ein israelfeindlicher Aktivist wie Ibrahim Ibrahim rumläuft und Fotos macht, stört mich das mehr. Hier muss Klarheit hergestellt werden. Nur so viel noch: Ich möchte in einer Welt leben, in der man seine Kippa, sein Kopftuch und sein Kreuz tragen kann. Alle, die mit Kippa, Kopftuch oder Kreuz unterwegs sind, brauchen den Schutz unserer Gesellschaft. Und wenn wir dafür nicht sorgen, dann sind wir Teil des Problems.

Aber der Bezirksverband Neukölln hat mit dieser Nähe zu Israelfeinden entscheidend zum Erfolg der Linken in Berlin beigetragen, oder nicht?

Das wäre ein Erfolg, der mir zuwider wäre. Dann würden wir deutlich machen, dass wir vor totalitären Denkstrukturen keinen Halt machen. Für mich ist die Hamas eine brutale, männlich dominierte, frauenverachtende und antisemitische Organisation. Ich kann weder an denen noch an den Mullahs oder der Hisbollah irgendetwas Emanzipatorisches entdecken.

Hat Elif Eralp die nötige Durchsetzungskraft, um gegen all das vorzugehen?

Ich traue ihr das unbedingt zu. Deswegen ärgere ich mich im Moment auch über meine Partei, die nicht begreift, dass wir in Berlin eine Chance haben wie nie zuvor. Es wird aber nicht wie in einem Wunder alles von heute auf morgen besser, nur weil die Linke regiert. Das wird ein langer, schwieriger Prozess. Das geht nur mit viel Kommunikation, und das kann Elif Eralp.

Sie schreiben in Ihrem Buch, die Linke sei heute – im Gegensatz zu vor 25 Jahren – salonfähig …

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