
Traditionen und Rituale
Warum in Spanien Männer über Babys springen
07.01.2026 – 08:00 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein außergewöhnlicher Brauch sorgt für Aufsehen. Warum springen Männer in Spanien über Babys? Ein Überblick.
In Castrillo de Murcia im Norden Spaniens wird einmal im Jahr ein besonders spektakuläres Ritual gefeiert. Männer in farbenfrohen Teufelskostümen springen über auf Matratzen liegende Babys. Das Festival El Colacho fasziniert Besucher aus aller Welt und sorgt gleichzeitig für Verwunderung bei Außenstehenden.
El Colacho geht auf das siebzehnte Jahrhundert zurück und verbindet katholische Traditionen mit heidnischen Ritualen. Die Feierlichkeiten finden am Sonntag nach Fronleichnam statt und symbolisieren den Sieg des Guten über das Böse. Historiker vermuten, dass das Fest ursprünglich als Fruchtbarkeitsritual begann, bevor es religiöse Elemente annahm.
Während der Zeremonie durchqueren Männer in gelb-roten Teufelsmasken die Straßen, schreien Dorfbewohner an und schwingen Peitschen mit Pferdeschweifen. Dann erscheinen die Atabalero, schwarz gekleidete Männer, die das Böse vertreiben sollen.
Mit Trommelschlägen kündigen sie die „Flucht des Teufels“ an, während die eigentliche Hauptattraktion beginnt: der Sprung über die Babys.
Die Kinder, meist im Vorjahr geboren, werden auf Matratzen auf der Straße platziert. Die Teufel springen darüber hinweg, ein symbolischer Akt der Reinigung. Man glaubt, dass die Teufel dabei die Sünden der Babys aufnehmen und ihnen Schutz vor Krankheiten und Unglück gewähren. Anschließend werden Rosenblätter auf die Kinder gestreut, bevor die Eltern sie wieder an sich nehmen.
El Colacho zeigt, wie tief verwurzelte Bräuche bis heute gepflegt werden, doch der Babybrauch bleibt umstritten. Es gibt Bedenken, da das Springen über die Kinder für Außenstehende riskant wirkt.
Das Festival wirft Fragen nach Sicherheit, Aberglaube und den Grenzen alter Traditionen in der modernen Gesellschaft auf.