AfD-Chef im Sommerinterview
Die Aussagen von Chrupalla im Faktencheck
24.08.2026 – 11:39 UhrLesedauer: 2 Min.
AfD-Chef Tino Chrupalla spricht von „Panikmache“ und einem wenig außergewöhnlichen Sommer. Doch die Wetterdaten zeigen das Gegenteil.
Tino Chrupalla hält die Debatte über den Klimawandel für überzogen. Im „ARD-Sommerinterview“ sprach der AfD-Chef von „Panikmache“ und einem „Klima-Hype“. Einen außergewöhnlichen Sommer erkennt er nicht. „Ich habe auch für diesen Sommer nicht gesehen, dass wir einen exorbitant unterschiedlichen Sommer hatten zu anderen Jahren“, sagte Chrupalla. Das Klima sei „graduell ein Nebenthema“, mit dem man „von den wirklichen Problemen ablenken“ wolle, behauptete er. Doch einem Faktencheck halten die Aussagen Chrupallas nicht stand.
Bis zum Ende des Juli lag die Durchschnittstemperatur des Sommers 2026 bei 19,25 Grad. Damit war der Sommer zu diesem Zeitpunkt rund drei Grad wärmer als das vieljährige Mittel von 1961 bis 1990. In der Rangliste der heißesten Sommer seit Beginn der Messungen liegt der Sommer 2026 damit bereits auf Platz drei – dabei sind die Daten aus dem August noch nicht einberechnet.
Sommer 2026 bricht Temperaturrekorde in Deutschland
Eine Hitzewelle im Juni brachte zudem einen neuen Temperaturrekord für Deutschland. An der Wetterstation in Drewitz (Sachsen-Anhalt) wurden am 27. Juni 41,8 Grad gemessen. Dieser Wert übertraf den vorherigen Rekord aus dem Juli 2019 (41,2 Grad in Tönisvorst und Duisburg) um 0,6 Grad – eine bemerkenswerte Steigerung.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war der vergangene Juni mit einem Temperaturmittel von 19,5 Grad der zweitwärmste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Auch der Juli 2026 war überdurchschnittlich warm. In drei Bundesländern wurden neue Juli-Hitzerekorde aufgestellt: in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Bayern.
Der meteorologische Sommer setzt sich aus den Monaten Juni, Juli und August zusammen. Für den August fehlen noch Daten. Doch zu beginn des Monats legte sich die vierte Hitzewelle des Jahres über Deutschland. Sie wird die Durchschnittstemperaturen auch für diesen Monat deutlich nach oben treiben.
Dürre prägt den Sommer 2026 – Pegel sinken auf Rekordtiefstände
Zudem fällt der Sommer 2026 außergewöhnlich trocken aus: Bis Ende Juli waren erst 44,7 Prozent des üblichen Niederschlagssolls gefallen.
Auch an Flüssen und Seen zeigt sich die Trockenheit. Zahlreiche Pegelstände sind auf Rekordtiefstände gefallen. Der Bodensee sank zwischenzeitlich auf rund 2,91 Meter. Einen derart niedrigen Stand hat es dort in einem Juli seit Beginn der Aufzeichnungen 1817/18 nicht gegeben.
Damit sprechen die vorliegenden Wetterdaten klar gegen Chrupallas Einschätzung, der Sommer unterscheide sich nicht außergewöhnlich von anderen Jahren.
14.000 Hitzetote strafen AfD-Chef Tino Chrupalla Lügen
Die hohen Temperaturen haben auch gesundheitliche Folgen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gab es seit Jahresbeginn bereits jetzt mehr als 14.000 Hitzetote in Deutschland. Die Zahl zeigt, dass Hitze nicht nur eine Frage persönlicher Wahrnehmung ist, sondern für Menschen ein Gesundheitsrisiko darstellen kann.
