Bundestrainer Julian Nagelsmann ist weg. Jürgen Klopp soll sein Nachfolger werden. Kein Zweifel: Klopp ist die richtige Wahl. Aber nicht aus den Gründen, von denen Fußball-Deutschland gerade schwärmt.

Der Abgang von Julian Nagelsmann als Chefcoach der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist beschlossene Sache. Nach dem vorzeitigen WM-Aus tritt der 38-Jährige zurück.

Wer sein Nachfolger werden soll, ist auch bekannt. Der DFB bestätigte am Freitag bereits Gespräche mit Jürgen Klopp. Der ist derzeit noch Fußballchef des sportlichen Brausekonzerns Red Bull und Experte beim WM-Sender MagentaTV. Klopp ist als erfolgreicher Trainer in die Geschichte der Traditionsklubs Borussia Dortmund und FC Liverpool eingegangen und im Moment eine der wenigen Lichtgestalten in Deutschlands düsteren Fußballzeiten: Er soll es nun also richten.

Alles spricht für Jürgen Klopp als Nationaltrainer

Aber: Die romantische Vorstellung, der Sympathieträger Jürgen Klopp trete jetzt an, um den deutschen Fußball mit Euphorie, Elan und Empathie aus seinem Jammertal zu führen, ist naiv. Hinter dem strahlenden Lachen des Kulttrainers blitzt eine Skrupellosigkeit auf, die dem DFB nützen kann, aber auch Gefahren birgt. Denn Klopp ist nicht nur der Sonnyboy, den er gerne gibt. Er ist auch eine Ich-AG, die ihre öffentliche Wirkung zu nutzen weiß.

Zurückgetreten: Der Job von Julian Nagelsmann als Bundestrainer war nicht mehr zu retten. (Quelle: IMAGO/Sebastian Bach/imago)

Das stellt nicht in Abrede, was alles für Jürgen Klopp als Bundestrainer spricht. Er hat drei nationale Meistertitel gewonnen, vier nationale Pokalsiege und nicht zuletzt die Champions League mit Liverpool. Auch an persönlichen Auszeichnungen als Trainer herrscht kein Mangel. Die Fans in Dortmund und Liverpool vergöttern ihn bis heute. Und viele Spieler schwärmen von ihm, menschlich wie fachlich. Klopp ist der richtige Mann auf der Trainerbank der Nationalmannschaft.

Herkulesaufgabe für „Kloppo“

Dort wartet eine Herkulesaufgabe. Fußball-Deutschland träumt gerade folgenden Traum: Klopp, der erfolgreiche Weltmann, reißt die Verkrustungen im provinziell geführten DFB auf, professionalisiert ihn und trimmt ihn auf internationales Topniveau. „Jürgen“, der charismatische Kickerversteher, implantiert den wenig inspiriert wirkenden und verunsicherten Nationalspielern mit dem Adler auf der Brust Löwenmut und Pferdelunge. Und „Kloppo“, der begnadete Medienprofi, kittet die Risse in der Beziehung zwischen der Nationalelf und ihren Fans.

Fertig ist das nächste Sommermärchen. Dieser Traum kann wahr werden. Und trotzdem ist dieses Bild des Hoffnungsträgers Jürgen Klopp nicht vollständig.

Klopps Image als bodenständiger Idealist, dessen Herz nur für Fußball schlägt, hat zuletzt stark gelitten. Einige Fußballfans werden ihm nie verzeihen, dass er die Trainerbänke der Traditionsklubs BVB und Liverpool gegen einen gemütlichen Chefsessel beim Limo-Multi Red Bull eingetauscht hat. Red Bull steht für alles, was „echte“ Fußballfans hassen: Business, Kommerz und Marketing. Brause statt BVB, Lifestyle statt Liverpool – hört man Fußballvolkes Stimme, hat Klopp damit seinen guten Namen, wenn nicht gar seine Seele verkauft. Für viel Geld: Zehn Millionen Euro verdient er bei Red Bull angeblich im Jahr.

Share.
Die mobile Version verlassen