Assisi wird mit Franz von Assisi verbunden. Hat der „Internet-Apostel“ Carlo Acutis das Bild des Pilgerortes verändert?

Auf jeden Fall. Viele Besucher, die vorher noch nie von Carlo Acutis gehört haben, wundern sich zunächst darüber, wie präsent er in den Andenkengeschäften ist. Das ist die sichtbarste Veränderung. Obwohl sein Grab außerhalb der großen Franziskus-Stätten liegt, prägt Carlo Acutis heute das Erscheinungsbild Assisis deutlich stärker als noch vor wenigen Jahren.

Und wie finden das die Menschen in Assisi?

Zunächst muss man sagen, dass manche den Standort des Grabes von Carlo Acutis kritisch sehen. Die Kirche Santa Maria Maggiore ist relativ klein, sodass sich schnell Menschenansammlungen bilden. Außerdem liegt sie an einer wichtigen Durchfahrtsstraße der Altstadt, hier leben viele Einheimische, Gasthäuser und Geschäfte müssen beliefert werden. Deshalb gibt es Stimmen, die eine Verlegung von Carlo Acutis an einen großzügigeren Ort befürworten. Ein Heiliger wie Carlo Acutis sollte schließlich einen würdigen Ort haben, wo nicht immer nur Gedränge herrscht. Ob sich daran aber so bald etwas ändern wird, bleibt abzuwarten.

Zieht Carlo Acutis auch mehr junge Menschen an?

Das ist schwer zu sagen. Es kommen durchaus mehr junge Menschen gezielt wegen Carlo Acutis nach Assisi. Im vergangenen Jahr hat die Heiligsprechung von Carlo Acutis das Interesse zusätzlich verstärkt. Gleichzeitig zieht aber auch Franz von Assisi seit jeher viele junge Menschen an.

Papst Leo XIV. bei der Heiligsprechungsmesse von Carlo Acutis. (Quelle: IMAGO/ALESSIA GIULIANI)

Wer ist der Heilige Carlo?

Carlo Acutis wurde 1991 in London geboren, wuchs aber später in Mailand auf. Der Jugendliche galt als Computergenie, das sein Talent nutzte, um eine umfangreiche Online-Datenbank über eucharistische Wunder zu erstellen. Das sind von der katholischen Kirche anerkannte, übernatürliche Ereignisse, bei denen sich die Hostie (das eucharistische Brot) oder der Wein während der heiligen Messe physisch in sichtbares Fleisch und Blut Jesu Christi verwandeln. Acutis starb 2006 an Leukämie. Am 7. September 2025 sprach Papst Leo XIV. Carlo Acutis heilig. Er ist damit der erste Heilige der Millennial-Generation.

Warum interessieren sich überhaupt junge Menschen für einen Mann, der in ihrem Alter starb und nun als Heiliger verehrt wird?

Carlo Acutis hat sich mit großer Begeisterung für seinen Glauben eingesetzt und ihn sehr konsequent gelebt. Das beeindruckt viele. Junge Menschen erkennen sich oft in ihm wieder – mit ihren Fragen, ihrer Suche nach Orientierung und ihrem Wunsch nach Antworten. Gerade für die Katechese, also die Einführung in den katholischen Glauben, ist er deshalb ein aktuelles Beispiel. Aber es gibt noch eine zweite Gruppe von Verehrern, über die öffentlich wenig gesprochen wird.

Eltern und Großeltern. Viele von ihnen leiden darunter, dass ihre Kinder oder Enkel keinen Bezug mehr zum Glauben haben. Sie haben selbst versucht, den Glauben weiterzugeben, und erleben jetzt, dass dies oft nicht gelungen ist. Für diese Menschen wird Carlo Acutis zu einer Art Sehnsuchtsgestalt und Idealbild. Das wird selten thematisiert, ist aber in vielen Gesprächen vor Ort deutlich spürbar.

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