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Er lenkt seit Jahren die Geschicke der Kirche im Verborgenen: Pietro Parolin. Als mächtigster Kardinal im Vatikan gilt er als logischer Nachfolger von Franziskus. Doch reicht das, um Papst zu werden?

Pietro Parolin gilt als der mächtigste Kardinal im Vatikan – und als logischer Nachfolger von Papst Franziskus. „Die Zukunft der Kirche erfordert Weisheit und Geduld“, sagte Parolin einmal – Eigenschaften, die ihn in einem möglichen Konklave unter die Favoriten bringen könnten.

Seit 2013 lenkt Kardinal Parolin als Staatssekretär des Vatikans die diplomatischen Geschicke der katholischen Kirche. Der 70-jährige Italiener gilt als pragmatischer Stratege, geschickter Diplomat und enger Vertrauter von Papst Franziskus. Seine Verbindungen reichen von Peking bis Washington.

Der schlechte gesundheitliche Zustand von Papst Franziskus befeuert aktuell die Diskussion über eine mögliche Papstwahl in naher Zukunft. Zwar betonte Parolin zuletzt: „Der Heilige Vater denkt nicht an Rücktritt.“ Doch hinter den Kulissen formieren sich bereits mögliche Mehrheiten für das nächste Konklave.

Unter den Kardinälen genießt Parolin großen Respekt. „Er hat eine einzigartige Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen und gleichzeitig die Interessen der Kirche zu wahren“, sagte ein hochrangiger Vatikanbeamter. Seine lange Erfahrung als Diplomat und sein besonnener Führungsstil könnten ihn zum idealen Kandidaten für das höchste Amt der Kirche machen.

„Als traditionell aussichtsreicher Kandidat gilt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der als Nummer zwei im Vatikan eine zentrale Rolle einnimmt. Historisch gesehen wurde dieses Amt häufig zum Sprungbrett für das Papstamt“, sagte Vatikan-Experte Andreas Englisch im Interview mit t-online. Doch seine körperliche Verfassung und sein Alter könnten zum Problem werden. „Es gibt Unsicherheiten bezüglich seiner Gesundheit, da er eine schwere Krebserkrankung überstanden hat. Aber er ist definitiv ein Kandidat“, so die Einschätzung des Journalisten und Buchautors, der seit 40 Jahren über den Vatikan schreibt.

Kardinal Pietro Parolin betet am 24. Februar 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan ein nächtliches Rosenkranzgebet für die Genesung von Papst Franziskus. (Quelle: Vandeville Eric/ABACA/imago-images-bilder)

Meister der stillen Verhandlungen

Als Staatssekretär bewies Parolin zudem, dass er die komplexe vatikanische Bürokratie im Griff hat. „Eine gut funktionierende Kurie ist essenziell für die Einheit der Kirche“, so Parolin.

Er gilt als jemand, der den Kurs von Papst Franziskus weiterführen würde, aber dabei diplomatischer und gemäßigter vorgehen würde. Parolin gilt als ein Meister der stillen Verhandlungen. Unter anderem spielte er eine zentrale Rolle bei den heiklen Gesprächen zwischen dem Vatikan und China, die 2018 in einem umstrittenen Geheimabkommen über die Ernennung von Bischöfen mündeten. „Es geht darum, Brücken zu bauen, nicht Mauern zu errichten“, betonte er damals.

Kritiker werfen ihm jedoch vor, zu sehr Pragmatiker zu sein, der diplomatische Lösungen über Glaubenswahrheiten stellt. Ausgerechnet das China-Abkommen brachte ihm scharfe Kritik von Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, dem emeritierten Bischof von Hongkong, und vielen katholischen Gläubigen ein, die darin eine gefährliche Annäherung an die chinesische Regierung sehen.

Auch seine Rolle in der Affäre um den Malteserorden 2016/2017 wirft Fragen auf. Der Malteserorden erlebte damals eine schwere Führungskrise, ausgelöst durch die umstrittene Absetzung des Großkanzlers Albrecht von Boeselager. Ihm wurde vorgeworfen, den Einsatz von Kondomen in einem Hilfsprogramm in Myanmar nicht verhindert zu haben. Diese Entscheidung führte zu Spannungen innerhalb des Ordens und zu einem Konflikt mit dem Vatikan. Parolin sprach von einer „beispiellosen Krise“. „In dieser Situation hat der Papst entschieden, eine Untersuchungskommission einzurichten, um Informationen zu dem Fall zu sammeln“, erklärte er den Vatikan-Kurs. Der Malteserorden hatte sich gegen eine vatikanische Untersuchung zu seiner Leitungskrise gewehrt.

Zudem schien Parolin auch in die Finanzskandale des Vatikans verstrickt gewesen zu sein. Er wurde zwar nie direkt angeklagt, aber sein Name fiel mehrfach im Zusammenhang mit fragwürdigen Immobiliengeschäften.

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