Dehoga-Vizechefin

„Wer einen neuen Bahnhof haben will, muss für Olympia stimmen“


16.05.2026 – 06:57 UhrLesedauer: 3 Min.

Kathrin Wirth-Ueberschär ist Direktorin des Hotels "Reichshof" und stellvertretende Dehoga-Chefin in Hamburg.

Kathrin Wirth-Ueberschär ist Direktorin des Hotels „Reichshof“ und stellvertretende Dehoga-Chefin in Hamburg. (Quelle: Brandmeister Fotography)

Die Hamburger dürfen über eine mögliche Olympia-Bewerbung abstimmen. Die Gastronomie hat eine ganz klare Haltung.

Hamburgs Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele wird weiter diskutiert. Während der Senat ordentlich die Werbetrommel rührt, lehnen einige Initiativen und die Linke die Bewerbung komplett ab. Noch haben die Hamburger Zeit, sich zu entscheiden: Das Referendum findet am 31. Mai 2026 statt.

Dass Hamburgs Hotellerie und Gastronomie die Olympischen Spiele als große Chance bewerten, ist wenig überraschend. Rund 10 Millionen Besucher würden zu den Spielen erwartet – und die müssen verpflegt und untergebracht werden. „Natürlich bin ich für die Olympischen Spiele“, sagt Kathrin Wirth-Ueberschär, Direktorin des Hotels „Reichshof“ und Vizepräsidentin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Hamburg, im Gespräch mit der Regionalredaktion Hamburg von t-online.

Neuer Bahnhof durch Olympia

Ende 2024 verfügt Hamburg über rund 75.000 Hotelbetten, inzwischen dürften es ein paar mehr sein. „Wir haben schon heute 3.000 Zimmer in der Pipeline. Das Angebot ist da“, sagt Wirth-Ueberschär. Um nachhaltig zu planen und nach möglichen Olympischen Spielen keine Überkapazität zu haben, würden auch kreative Lösungen angedacht. „Auch Kreuzfahrtschiffe im Hafen bieten Platz für Olympiagäste“, so Wirth-Ueberschär. „Wir bauen ja nicht unendlich Kapazitäten auf und danach wird über enormen Leerstand geklagt.“

Allerdings sieht sie in Olympia weit mehr als nur einen Mehrwert für ihre eigene Branche: die enormen Summen, die in die Stadt investiert werden würden. „Olympia hätte einen Booster-Effekt für den Wohnungsbau, für die Infrastruktur, für die Barrierefreiheit“, sagt Wirth-Ueberschär. Hamburg würde sich dadurch radikal verändern, und zwar zum Besseren, da ist sie sich sicher. „Die Stadt wird aufgeräumter und grüner, weniger versiegelt, also genau das, was wir uns alle wünschen.“

Vor allem infrastrukturelle Großprojekte seien ohne Olympia problematisch. „Wer einen neuen Hauptbahnhof und zügig eine U5 haben will, muss für Olympia stimmen“, sagt Wirth-Ueberschär. Kritiker aber befürchten trotz der Investitionen einen noch stärkeren Anstieg der Mieten in Hamburg.

Zurückhaltende Bewerbung

Bislang muss Hamburg für Projekte dieser Größenordnung in Berlin oder bei der Deutschen Bahn betteln. Allein aus dem Stadthaushalt lassen sie sich nicht stemmen. Sollte Hamburg am Ende den Zuschlag vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bekommen, würden viele Gelder nach Hamburg fließen, die hier sonst nicht gelandet wären, so die Dehoga-Vizechefin. Unfertige Bahnsteige, Baustellen und fehlende Bahn-Anbindungen wären international eine Blamage, die man sich nicht leisten könnte.

Dabei betont die Dehoga-Chefin, dass die Bewerbung dieses Mal bewusst zurückhaltender und nachhaltiger gedacht werde als frühere olympische Konzepte. „Das Referendum von 2015 ist den Menschen noch im Hinterkopf“, sagt sie mit Blick auf die gescheiterte Hamburger Olympia-Bewerbung vor elf Jahren. Damals lag das veranschlagte Budget bei 11,2 Milliarden Euro. Die Hamburger entschieden sich mit 51,6 Prozent gegen eine Bewerbung. Diesmal gehe es darum, „nicht ein riesiges Budget zu verfeuern, sondern behutsam zu planen“.

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