Nun, man spricht von diesem alten Börsianer-Satz, wenn man sich in guten Marktphasen ausmalt, wie schön es denn wäre, bei günstigeren Kursen zuzugreifen. Wenn die Kurse dann aber günstig sind, erhält man von allen Seiten Einflüsterer, die erklären wollen, dass es noch viel, viel schlimmer kommen kann und man besser abwartet.
Dieses Abwarten wurde im März damit bestraft, dass die Kurse so schnell stiegen wie seit 30 Jahren nicht mehr. „Sowohl Nasdaq als auch S&P 500 gingen in den USA von einer extrem überverkauften Lage in eine extrem überkaufte Lage über. Chip-Aktien legten die längste Rally aller Zeiten hin“, so Thomas Soltau vom Smartbroker.
Anleger, die unten in der Korrektur keinen Mut hatten zu kaufen, schauten den steigenden Kursen hinterher und mussten bei vielen Einzelaktien von AMD über Amazon oder Intel oder auch Nvidia zusehen, wie innerhalb von sechs Wochen Kursgewinne zwischen 20 und 100 Prozent auf der Uhr standen.
Aus jenem Fehler kann man aber lernen, denn das Gute ist: Korrekturen gibt es immer wieder. Und die wichtigste Lehre daraus ist, dass in Korrekturen genau jene Crash-Propheten aus ihren Löchern kommen, die scheinbar genau wissen, wie weit und wie stark Aktienmärkte korrigieren werden. In den USA ist einer dieser Crash-Propheten Michael Burry, der zugegeben einmal, und dies in der wichtigsten Phase der letzten 20 Jahre, richtig lag, nämlich zur Blase des Häusermarktes in den USA. Die Geschichte des Mannes wurde im Film „The Big Short“ bestens erzählt.
Doch auch viele aktive Fondsmanager und Hedgefonds-Manager in den USA predigten im März, dass die Nasdaq noch weit tiefer fallen müsse und die Märkte heillos überkauft seien. Man darf nicht vergessen: Die meisten, um nicht zu sagen, alle Akteure am Aktienmarkt, haben auch ein ureigenes Interesse, ihre eigenen Portfolios zu pflegen. Dies bedeutet, wer gerne günstig im Markt einkaufen will, wird öffentlich verkünden, dass er die Kurse noch deutlich niedriger sieht. Aus dem simplen Grund, dass man sich selbst mit Aktien eindecken möchte.
Heißt: Wenn in den breiten Medien viele Experten vor einem Absturz warnen und die Bären, also die Pessimisten, am lautesten zu hören sind, gilt es, einen Kardinalfehler zu vermeiden: Das Gegenteil dessen tun, was sie empfehlen.
