
Führerscheinreform
Geringere Anforderungen in der Fahrschule – das sagen Experten dazu
Aktualisiert am 28.01.2026 – 10:29 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Führerschein soll günstiger werden. Dazu soll es Änderungen in der Ausbildung und Prüfung geben. Sind sie sinnvoll?
Ein Autoführerschein ist inzwischen alles andere als günstig. Die Kosten liegen je nach Region bei bis zu 3.500 Euro und mehr. Mit einer Reform der Ausbildung will das Bundesverkehrsministerium die Kosten wieder senken.
Geplant sind unter anderem: weniger Fragen in der Theorieprüfung, kein verpflichtender Präsenzunterricht mehr und weniger Sonderfahrten etwa nachts oder auf Autobahnen. Was spricht dafür und was dagegen?
Die derzeitigen Anforderungen für Sonderfahrten seien überzogen, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn-Steiger-Stiftung. Abstriche seien möglich, solange je eine Autobahn-, Nacht- und Überlandfahrt Pflicht bleibe. Es sei auch denkbar, ergänzende Sonderfahrten im Simulator durchzuführen, sofern die Technik Qualitätsstandards erfüllt.
Vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat heißt es: „Insbesondere das gefahrlose Überholen lässt sich effizient im Simulator trainieren“. Eine Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung ist laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Auto Clubs Europa (ACE) ebenfalls offen für ergänzende Simulator-Fahrten, etwa um das Schalten zu üben.
Die Chef-Unfallforscherin im Gesamtverband der Versicherer, Kirstin Zeidler sagt zudem, in der Theorieprüfung würden inzwischen viele technische Themen abgefragt, die nicht unbedingt notwendig seien.
In dem Bereich seien sicherlich Kürzungen möglich, sofern sicherheitsrelevante Fragen erhalten blieben. Auch der Automobilclub von Deutschland hält eine „Entschlackung“ der rund 1.200 Fragen, aus denen in der Prüfung ausgewählt wird, für möglich.
Vom ADAC hieß es, mit der Möglichkeit für mehr Online-Theorieunterricht oder dem Einsatz von Simulatoren lägen relevante Eckpunkte für eine Reform vor.
„Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen hat das höchste Unfallrisiko“, sagt Unfallforscherin Zeidler. Die jungen Menschen seien risikobereiter und hätten weniger Fahrerfahrung als ältere. Es sei daher wichtig, die Anforderungen an die Fahrausbildung nicht zu senken. „Für echtes Fahrerleben sollten Prüfungsdauer oder Zahl der Sonderfahrten erhalten bleiben.“
Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände ergänzt: Sonderfahrten deckten die Bereiche ab, in denen die meisten Unfälle passieren. Simulatoren könnten Sonderfahrten auch nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Sie seien mit der Realität nicht vergleichbar und zudem sehr teuer. Systeme, die aus mehr als lediglich drei Bildschirmen und einem Schalthebel bestehen, würden schnell bei 60.000 bis 70.000 Euro liegen.