Unions-Fraktionschef Frei

„Das merkt die Bevölkerung, das nimmt die Bevölkerung übel“


26.08.2026 – 04:28 UhrLesedauer: 4 Min.

Moderator Markus Lanz (l.) mit CDU-Politiker Thorsten Frei (Archivbild). (Quelle: IMAGO/teutopress GmbH)

Bei seinem ersten „Markus Lanz“-Auftritt als Unions-Fraktionschef wird Thorsten Frei in die Mangel genommen. Von Putsch-Plänen gegen Kanzler Merz will er nichts wissen.

Hat Friedrich Merz in der Union noch den nötigen Rückhalt, um die für das Land so wichtigen großen Reformen durchzusetzen? Der Journalist Michael Bröcker äußerte bei „Markus Lanz“ am Dienstagabend deutliche Zweifel daran und erklärte, die Autorität des Kanzlers sei auf mehrere Weise beschädigt. Gemeinsam mit SPD-Chef und Finanzminister Lars Klingbeil bilde er inzwischen ein Duo aus „Dead Men Walking“ – aus wandelnden Toten also –, über deren Ablösung in den eigenen Parteien längst diskutiert werde. „Und das ist eine Gemengelage, die ist schon fast toxisch“, urteilte Bröker angesichts der Diskrepanz zwischen der Größe der Herausforderungen und der mangelnden Stabilität, die er den entscheidenden Akteuren attestierte.

  • Thorsten Frei (CDU), Vorsitzender der Unions-Bundestagsfraktion
  • Frauke Brosius-Gersdorf, Juristin
  • Michael Bröcker, Journalist

„Ich kenne niemand Ernstzunehmenden, der so etwas diskutiert“, kommentierte hingegen Thorsten Frei die seit Monaten kursierenden Gerüchte über Pläne, Merz an der Spitze der Regierung zu ersetzen. Der neue Unions-Fraktionsvorsitzende und ehemalige Kanzleramtschef gestand aber zu, dass die Umfragewerte für die Kanzlerpartei CDU „schrecklich“ seien und nicht ihrem Selbstverständnis entsprächen. Allerdings regiere man eben auch in „extrem schwierigen Zeiten“, die unter anderem vom Krieg in der Ukraine, Reformstau und mangelndem Wirtschaftswachstum geprägt seien.

Was gerade die ökonomische Krise für die deutsche Gesellschaft bedeutet, hatte Frei kurz zuvor ohne Umschweife erklärt: „Wenn man irgendwem etwas geben will in der Gesellschaft, muss man vorher einer anderen Gruppe etwas weggenommen haben.“ Dass Regieren unter diesen Umständen kein Vergnügen und kein Beliebtheitstreiber sei, so die implizite Botschaft, verstehe sich von selbst.

Journalist lässt nicht locker

Bröcker ließ beim Thema Rückhalt für den Kanzler innerhalb der Union aber nicht locker. „Garantiert wird Herr Frei wie jeder führende Christdemokrat in den vergangenen Monaten darüber nachgedacht haben, ob Friedrich Merz – dieser Bundeskanzler mit den Umfragewerten, mit den Persönlichkeitswerten – diese Legislatur beenden kann.“

Ein Dementi des Merz-Vertrauten Frei gab es an dieser Stelle nicht. Klar verneinte er hingegen die Frage des Moderators danach, ob der Bundeskanzler selbst schon mal mit dem Gedanken gespielt habe, hinzuwerfen.

Das schätzte zwar auch Bröcker so ein. Dennoch wollte er nicht ausschließen, dass Merz hinwirft, sollten sich die negativen Trends fortsetzen. 12 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung und 20 Prozent in den Umfragen für Sachsen-Anhalt kurz vor der Landtagswahl seien schließlich Werte, für die man die ehemalige CDU-Vorsitzende und Kanzlerin Angela Merkel öffentlich „gegrillt“ hätte.

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