Die Parteichefs Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano nahmen gemeinsam eine Videobotschaft auf, die mit „Der WAHRE Grund für die Angriffe gegen uns“ betitelt ist. Dass Angriffe kommen würden, sei klar gewesen, sagt Schwerdtner, fügt aber hinzu: „Wie heftig, hat selbst uns erschreckt.“ Pantisano übernimmt mit den Worten, das Ziel sei eindeutig: „Diese Hoffnung soll kaputt gemacht werden.“ Zwar schränkt Pantisano ein, Funktionäre und einzelne Aktivistinnen hätten Fehler gemacht. „Das arbeiten wir auf, offen und transparent.“ Deshalb aber dürfe nicht die ganze Partei unter Generalverdacht gestellt werden.

Der Linken-Abgeordnete Ferat Koçak zieht sich vorläufig aus der Öffentlichkeit zurück. (Quelle: Michael Kappeler/dpa/dpa-bilder)

Ob das tatsächlich der „wahre“ Grund ist, dazu dürften die Meinungen auseinandergehen. Natürlich wird in der Debatte auch überzogene Kritik geäußert, auch mag das rechte Lager eine Kampagne führen. Doch beschränkt sich die harte Kritik an den Vorfällen in der Linkspartei längst nicht auf das rechte oder konservative Milieu. Auch aus dem linken Spektrum und der Linkspartei selbst hagelt es Kritik an der halbherzigen Distanzierung der Parteispitze von den Vorfällen. Zumal die Linke derzeit wenig tut, um die Kritik auszuräumen. Stattdessen verstrickt sie sich in offene Widersprüche und Unwahrheiten.

Man habe von Koçak Transparenz eingefordert, glaube ihm aber seine Stellungnahmen, heißt es aus Parteizentrale und Fraktionsführung. Warum er aber einer Person, die er angeblich nicht kennt, schreibt: „Ab wann bist du im Büro? Ich kann Vormittag vorbeikommen“, hat bislang niemand erklärt. Auch nicht, wie Koçak den Aktivisten Ibrahim Ibrahim nicht erkennen konnte – obwohl er bereits vor einem Jahr auf einer Veranstaltung mit ihm auftrat. Eine Antwort auf die Frage, wie die Partei mit denjenigen umgehen will, die offen Israels Recht auf Existenz infrage stellt, ist die Partei bislang ebenfalls schuldig geblieben. Dabei ist auch vielen Parteifunktionären bewusst, dass es an der Stelle ein Problem gibt.

Landeschef Schirmer sprach am Freitagabend von nötiger Aufarbeitung, Eralp nannte Gewaltaufrufe von Bühnen der Partei „absolut inakzeptabel“ und verurteilte „Grenzüberschreitungen“. Beide wandten sich auch gegen die massive Kritik, die derzeit an der Linken geübt werde. Diese habe ein zerstörerisches Ausmaß erreicht, sagte Eralp.

Koçak selbst tauchte beim Sonderparteitag nicht auf. Das Thema Clans war dennoch präsent. Eine Gastrednerin von den Schulstreiks rief unter Applaus ins Mikrofon: „Wenn die Presse schreibt, es gebe ein Problem mit bewaffneten Clans, dann sind es die, die mit Knüppel in die Schule reingehen“ und meinte damit die Polizei. Landesgeschäftsführer Björn Tielebein widersprach kurz danach, das sei nicht die Sicht der Linken. Viele der Delegierten applaudierten, einige buhten. Einer schrie in den Saal: „Was soll denn das?“

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