Zuletzt sind die Rollenangebote weniger geworden. Woran das liegt, ist für Bettina Lamprecht nur schwierig zu sagen. Sie übt Kritik, äußert Wünsche und spricht über ihren Umgang mit Enttäuschungen.
Schauspielerin Bettina Lamprecht steht seit mehr als 25 Jahren vor der Kamera, war immer gut ausgelastet, was die Menge an Film- und Seriendrehs angeht. Insbesondere durch ihre Auftritte in „Ladykracher“ oder als Svenja Bruck in Bastian Pastewkas Serie „Pastewka“ ist sie vielen Zuschauerinnen und Zuschauern bekannt, um nur zwei wichtige Titel aus der Filmografie der 49-Jährigen zu nennen.
Heute hat sich die Auftragslage jedoch verändert, wie Lamprecht im Interview mit t-online erklärt. Zudem äußert sie Fragen, die ihr mit Blick auf die Programmplanung der Sender in den Kopf kommen.
t-online: Frau Lamprecht, Sie werden im kommenden Jahr 50. Es gibt seit Jahren Kritik daran, dass Frauen ab 40 deutlich weniger interessante Rollenangebote erhalten. Spüren Sie das auch?
Bettina Lamprecht: Für mich ist momentan schwierig einzuordnen, was an meinem Alter und an der ohnehin schwierigen Situation in der Branche liegt. Es wird sehr gespart und deutlich weniger produziert. Die Stoffe sollen möglichst leicht konsumierbar sein, es gibt weniger Experimente, weniger Arthouse, also künstlerisch anspruchsvolles, weniger Wagnis. Man will bloß nicht anecken. Das merken wir alle in der Branche.
Wie wirkt sich das konkret auf Ihre Arbeit aus?
In den vergangenen anderthalb Jahren habe ich nur sehr wenige spannende Angebote bekommen und deutlich weniger gearbeitet als zuvor. Das berichtet die Mehrzahl meiner Kolleginnen und Kollegen. Ich weiß von Regisseurinnen, die viel engere Vorgaben bekommen und denen immer mehr künstlerische Freiheit genommen wird.
Bettina Lamprecht (geboren 1977)
Die Schauspielerin wuchs in Thüringen auf und startete ihre Karriere vor der Kamera 1999 in der Comedyreihe „Switch“. Sie war zudem etwa in der „heute-show“ im ZDF zu sehen, von 2015 bis 2017 spielte sie die Hauptrolle in „Bettys Diagnose“, ebenfalls im ZDF. Lamprecht lebt in Berlin.
Welche Rolle würden Sie denn gern in den kommenden Jahren spielen?
Eine Frauenfigur wie die von Julia Louis-Dreyfus in der politischen Satire „Veep“ könnte ich mir super vorstellen. Eine Satire mit gesellschaftlicher Relevanz wäre ein großer Wunsch von mir. Grundsätzlich würde ich mir mehr Frauenrollen wünschen, die abgesehen von den üblichen Rollenbildern etwas zu sagen haben – unabhängig vom Genre.
Wäre ein zweites berufliches Standbein für Sie eine Option?
Bisher habe ich keines, weil ich den Luxus hatte, meinen Beruf über viele Jahre ausüben zu können. Ehrlich gesagt habe ich keine richtige Idee, womit ich sonst verlässlich Geld verdienen könnte. Ich kann mir kaum etwas vorstellen, das mit der Leidenschaft vergleichbar wäre, die ich seit meiner Kindheit für die Schauspielerei habe. Mich etwas völlig Neuem zuzuwenden, stelle ich mir schwierig vor. Aber wenn es notwendig wird, wird mir sicherlich etwas einfallen und vielleicht entdecke ich ja verborgene Talente in mir oder es kommt dieses zweite Standbein in mein Leben und ich muss die Schauspielerei gar nicht ganz aufgeben.
