Marius Borg Høiby hat laut Gericht den Großteil der ihm vorgeworfenen Straftaten begangen. Trotzdem kämpft er weiter um seine Freilassung. Auch mithilfe seiner Mutter?
Er war in 40 Punkten angeklagt, in 34 wurde er nun schuldig gesprochen. Marius Borg Høiby ist am Montagmorgen von einem Gericht in Oslo zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Richter sah unter anderem in zwei von vier Vergewaltigungsfällen genug Beweise für einen Schuldspruch. Es ist das Ende eines wochenlangen Prozesses, der die Medienberichte rund um das norwegische Königshaus beherrscht hat.
Doch wie groß sind die Auswirkungen auf den Palast? Und wie sehr hat Marius Borg Høiby seiner Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, mit seinen schweren Straftaten geschadet? t-online hat mit Adelsexperte Jürgen Worlitz über das Urteil und seine Folgen gesprochen. Und auch darüber, welche Rolle Mette-Marits Krankheit, eine unheilbare Lungenfibrose, in diesem Zusammenhang spielen könnte.
t-online: Herr, Worlitz, hat Sie das Urteil überrascht?
Jürgen Wörlitz: Nein. Ich habe mit diesem Urteil gerechnet, ebenso wie viele Norweger und Insider. Es zeigt dem Land: Das Rechtssystem funktioniert.
Sie meinen, weil Marius Borg Høiby wegen seiner Herkunft keine mildere Strafe erhalten hat?
Genau. Marius hat keine besondere Behandlung erfahren. Das hat man schon gesehen, als ihm die Freilassung aus der Untersuchungshaft verwehrt wurde. Es bleibt aber die Frage, welche Ausnahmegenehmigungen es in Zukunft für ihn geben wird. Marius und das Königshaus gehen da schon eine Weile in die Offensive.
Zur Person
Der 77-jährige Jürgen Worlitz ist Autor und Journalist. Er beschäftigt sich insbesondere mit den europäischen Adelshäusern und wird in den Medien oft als Adelsexperte zitiert.
Was meinen Sie damit genau?
Marius und der Palast versuchen seit dem Prozess, Sonderrechte herauszuschlagen. Das hat jüngst geklappt: Marius hat gesundheitliche Beeinträchtigungen, er durfte darum über Nacht im Krankenhaus bleiben und musste bei der Urteilsverkündung nicht vor Gericht erscheinen. Auch mit der Krankheit seiner Mutter wurde im Vorfeld argumentiert, damit er aus dem Gefängnis kommen kann. Das ist auch weiterhin sein großer Hoffnungsschimmer.
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Wird Mette-Marits Krankheit also als Vorwand benutzt?
Mette-Marit ist schwer krank, das würde ich ihr niemals in Abrede stellen. Allerdings fällt mir auf, dass Updates zu ihrem Zustand immer in einem gewissen zeitlichen Zusammenhang mit negativen Berichten über das Königshaus stehen. Dadurch werden alle Skandale automatisch vor diesem Hintergrund bewertet und die Norweger gehen feinfühliger und vorsichtiger mit ihr um. In Mette-Marit sieht die Öffentlichkeit also eine schwer kranke Frau, die ihren Sohn verliert. Dass es wirklich eine enorme Belastung für sie ist, spreche ich ihr natürlich nicht ab. Aber schon vor dem Prozess war es so: Als ihre Freundschaft zu Jeffrey Epstein diskutiert wurde, rückte der Hof Mette-Marits Krankheit in den Vordergrund.
