Schauspielerin Barbara Philipp kennt sich in der deutschen Film- und Fernsehbranche aus. Mit t-online spricht sie über Klischees und Machtverhältnisse.
Die deutsche Film- und Fernsehbranche inszeniert sich gern als fortschrittlich – doch hinter den Kulissen halten sich manche alte Muster hartnäckig: Frauen berichten davon, anders behandelt zu werden als ihre männlichen Kollegen. Barbara Philipp kennt diese Unterschiede seit vielen Jahren aus eigener Erfahrung. Die Schauspielerin, die unter anderem für ihre Rolle im Wiesbadener „Tatort“ bekannt ist, ist seit Jahrzehnten Teil der Branche. Am 12. April ist sie im ZDF im Rosamunde-Pilcher-Film „Wo Liebe aufhört und wo sie beginnt“ zu sehen. Im Interview mit t-online spricht sie über zähe Gagenverhandlungen, stereotype Frauenrollen – und warum sie sich dabei schon mal wie eine „Revoluzzerin“ fühlte.
t-online: Frau Philipp, haben Sie Ihre Berufswahl je bereut?
Barbara Philipp: Früher mehr als heute. Am Anfang meiner Karriere ging alles langsam, ich habe wenig verdient. Da denkt man schon: Vielleicht wäre ein anderer Weg einfacher
gewesen. Ich habe ja auch mal eine Bar in Berlin mitbetrieben.
Oh, spannend. Wie war das?
Das war eine lustige Zeit. Und die Bar hat mir Glück gebracht. Während ich dort
gearbeitet habe, haben sich plötzlich auch in der Schauspielerei mehr Möglichkeiten für
mich ergeben. Immer wenn ich locker gelassen habe, haben sich die Dinge, die ich wollte, ganz organisch entwickelt.
Die Schauspielerei ist allerdings eine unsichere Branche. Viele Ihrer Kollegen klagen über geringe Renten. Wie blicken Sie darauf?
Wenn man nicht fest am Theater ist, bekommt man seine Rentenzeit kaum zusammen. Man muss privat vorsorgen oder arbeitet, bis man umfällt. Das Bild vom gut verdienenden
Schauspieler stimmt nicht. Es gibt ja immer mal so Schlagzeilen, die mich ärgern. Vielleicht verdienen ein paar herausragend, das Gros arbeitet ganz normal und hat in der Zeit hohe Abzüge. Wir zahlen viel ein und bekommen am Ende aber trotzdem wenig raus, weil es eben keine durchgehenden Beschäftigungen sind. Das System ist nicht für unsere Arbeitsweise gemacht.
Und wie sieht es bei den Gagen aus: Spüren Sie einen Unterschied in der Bezahlung von Frauen und Männern?
Ja, absolut. Das hat sich nicht grundlegend geändert. Besonders erschreckend dabei: Auch in den Verhandlungen mit Frauen gibt es viele, die Frauen weniger zahlen wollen als den Männern. Da gibt es noch viel Redebedarf. Als ich mal in einer Produktion Rosa Luxemburg spielte und die halbe Gage meiner männlichen Kollegen bekommen sollte, wurde ich auch ein bisschen zur „Revoluzzerin“.
