ADAC-Tipps für Autofahrer

Spritpreise: Warum unsere Nachbarn billiger tanken als wir


12.03.2026 – 11:43 UhrLesedauer: 2 Min.

Preiskampf an der Zapfsäule: Während Deutschland auf das österreichische Modell setzt, kämpfen andere EU-Staaten mit drastischen Preisdeckeln gegen die Teuerung. (Quelle: IMAGO/Wolfgang Undesser)

Während Deutschland über neue Regeln nachdenkt, zeigen unsere Nachbarn bereits, wie weit Eingriffe an der Zapfsäule gehen können. Von Zeitfenstern für Preiserhöhungen bis zu Festpreisen ist alles dabei. Die Regeln im Überblick.

Während Autofahrer in Deutschland an der Zapfsäule verzweifeln, greifen unsere Nachbarländer hart durch. Die Bundesregierung plant nun ein neues Modell nach dem Vorbild Österreichs. Andere Länder greifen noch härter durch. Ein Blick über die Grenzen zeigt: Die Strategien gegen hohe Benzinpreise reichen von strengen Kontrollen bis zu festen Staatspreisen. Die Maßnahmen im Überblick.

In Österreich ist mittags Schluss mit dem Preis-Chaos. Tankstellen dürfen ihre Preise nur einmal am Tag erhöhen – pünktlich um 12 Uhr. Senkungen sind dagegen jederzeit erlaubt. Das Ergebnis: Diesel und Benzin kosteten dort zuletzt deutlich unter zwei Euro. Die Regelung gilt seit 2011 und wurde gerade bis Ende 2028 verlängert.

Kroatien und Ungarn setzen auf harte Obergrenzen. In Kroatien kostet der Liter Diesel maximal 1,55 Euro und der Liter Benzin höchstens 1,50 Euro. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 23. März.

Ungarn geht mit Preisen um 1,54 Euro einen ähnlichen Weg. Doch Regierungschef Viktor Orbán macht einen Unterschied: Nur Einheimische tanken günstig. Urlauber und Gäste mit ausländischem Kennzeichen zahlen den vollen Marktpreis. Orbán steht unter politischem Druck, denn am 16. April wählt das Land ein neues Parlament. Seine Fidesz-Partei liegt in Umfragen aktuell mehr als zehn Prozentpunkte hinter der Tisza-Partei seines Herausforderers Péter Magyar.

Im Großherzogtum legt das Wirtschaftsministerium die Höchstpreise fest. Oft gelten sie mehrere Tage am Stück. Luxemburgs niedrige Steuern locken Tank-Touristen aus Deutschland an. Die Strategie: Wer zum Tanken kommt, kauft auch im Land ein oder geht dort essen. So profitiert die gesamte Wirtschaft.

Portugal reagiert flexibel auf den Markt. Steigen die Kosten um mehr als 10 Cent pro Liter, senkt die Regierung die Erdölsteuer automatisch um 3,55 Cent. Das entlastet die Menschen in einem Land, in dem fast 90 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt werden.

Frankreich lehnt Steuersenkungen ab. Sie würden den Staatshaushalt mit rund 20 Milliarden Euro belasten. Stattdessen setzt Premier Sébastien Lecornu auf Abschreckung: Eine spezielle Behörde kontrolliert Hunderte Tankstellen auf missbräuchliche Preiserhöhungen.

In Polen sind die Preise durch niedrige Steuern und den Einfluss des Staatskonzerns Orlen traditionell günstig. Das führt zu langen Schlangen an den Grenzen. Polnische Behörden achten jedoch streng darauf, dass deutsche Autofahrer nicht zu viel Sprit in Kanistern ausführen. Erlaubt sind zollfrei maximal 20 Liter.

Der Umweg zur Tankstelle im Nachbarland rechnet sich meist nur für Anwohner in Grenznähe. Ab 10 km Anfahrtsweg zahlt man durch Spritverbrauch und Verschleiß oft drauf. Im Reservekanister sind maximal 20 Liter steuerfrei erlaubt. Der ADAC rät aus Sicherheitsgründen zu höchstens zehn Litern. Achtung: Preisdeckel in Ländern wie Ungarn gelten teilweise nicht für deutsche Kennzeichen.

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