
Zu genau diesen Fragen bezog Bundestrainer Gíslason nach Abpfiff in der Interviewzone der Jyske Bank Boxen von Herning Stellung. „Wir haben abgesprochen, dass David gegen Dänemark spielt“, leitete er seine Ausführungen ein. Der erste Grund sei eine Lehre aus den vergangenen Spielen gegen die Dänen gewesen: „Andi hat oft nicht gut gegen Dänemark gespielt“, erinnerte Gíslason.
Hauptgrund für die Entscheidung seien aber die verschiedenen Stärken Wolffs und Späths gewesen. Während Wolff häufig aus der Nahdistanz glänze, habe Späth bei Rückraumwürfen Vorteile. „Wenn man die Dänen kennt, dann kommen da ziemlich viele Würfe aus dem Rückraum“, so seine Analyse.
Auch die Belastungsteuerung habe eine Rolle gespielt: „Vor allem hat Andi viel gespielt in letzter Zeit, auch sehr gut gespielt. Man muss halt diese Last auch auf die anderen verteilen und wir vertrauen David sehr. Die beiden sind super. Also habe ich überhaupt keine Angst gehabt, dass David Leistung bringt“, so Gíslason. Am ARD-Mikrofon betonte er fast väterlich: „Ich bin sehr stolz auf die Leistung von David Späth.“
Doch nicht nur auf der Torhüterposition traf Gíslason eine ungewöhnliche Entscheidung. Die bisherigen Stammspieler auf den Außenpositionen, Lukas Zerbe und Lukas Mertens, strich der Bundestrainer gegen Dänemark komplett aus dem Spieltagskader. Stattdessen setzte er auf Rune Dahmke und Mathis Häseler, die bislang im Turnier kaum Einsatzzeiten gesammelt hatten. Für Dahmke brachte Gíslason zudem zeitweise mit Jannik Kohlbacher einen Spieler auf die Platte, der eigentlich Kreisläufer ist.
„Beide haben bei sieben Spielen in zwei Wochen mehr oder weniger 60 Minuten gespielt“, erklärte Gíslason in Bezug auf Zerbe und Mertens. „Beide kamen aus dem letzten Spiel mit Muskelverhärtungen“, so Gíslason weiter. „Beide waren an einem Punkt, wo ich Angst hatte, dass sie sich verletzen“, wurde er in der ARD deutlich. „Klar, hätte ich die aufstellen und sagen können, ihr müsst spielen, aber ich habe auch nichts davon, wenn beide mit Zerrungen ausfallen würden.“ Stattdessen habe er seine beiden Stamm-Außen lieber im nächsten Spiel gegen Frankreich frisch haben wollen. Das habe aber wiederum nichts damit zu tun gehabt, dass er auf bessere Siegchancen gegen Frankreich gepokert habe. „Ich dachte einfach, es wäre sinnvoll“, sagte Gíslason. Zudem habe er volles Vertrauen in die Ersatzleute gehabt und sie hätten ihre Aufgabe gut erfüllt.