Doch wenige Tage vor der Wahl holten die Grünen in mehreren Umfragen deutlich auf. Je nach Erhebung rückten sie bis auf ein, zwei oder drei Prozentpunkte an die CDU heran. In einer letzten Umfrage lagen beide Parteien sogar gleichauf bei 28 Prozent. Politikwissenschaftler erklärten den Trend unter anderem mit der Popularität Özdemirs.

Parallel zu dieser Aufholjagd wurde der Ton im Wahlkampf spürbar schärfer. Über Monate waren Grüne und CDU vergleichsweise zurückhaltend miteinander umgegangen. Vor knapp zwei Wochen veröffentlichte dann eine grüne Bundestagsabgeordnete ein Video von Hagel aus dem Jahr 2018. Darin äußert sich der damals 29-Jährige schwärmerisch über das Aussehen einer Schülerin. Der Clip verbreitete sich rasch und löste heftige Kritik aus.

Die CDU wirft den Grünen nun eine Schmutzkampagne aus der untersten Schublade vor. Das Problem: Unabhängig vom Wahlausgang müssen sich Özdemir und Hagel vermutlich wieder an einen Tisch setzen. Denn eine Koalition aus Grünen und CDU – in welcher Reihenfolge auch immer – gilt derzeit als wahrscheinlichste Regierungsoption.

Auch bei den kleineren Parteien bleibt es spannend. Die Fünf-Prozent-Hürde bekommt besondere Bedeutung. Die FDP könnte erstmals in ihrer Geschichte aus dem Landtag fliegen – ausgerechnet in Baden-Württemberg, ihrem Stammland, in dem sie seit mehr als 70 Jahren vertreten ist. In den Umfragen lag sie zuletzt bei etwa sechs Prozent.

Die Linke wiederum könnte erstmals überhaupt den Sprung in den baden-württembergischen Landtag schaffen, muss aktuellen Umfragen zufolge aber zittern. Die AfD dürfte stärkste Oppositionskraft werden – eine Zusammenarbeit mit ihr schließen alle anderen Parteien aus. Und auch die SPD steht unter Druck: In den Umfragen blieb sie zuletzt konstant einstellig, das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte im Südwesten droht.

Erstmals dürfen in Baden-Württemberg auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Zigtausende junge Wählerinnen und Wähler kommen damit neu hinzu. Insgesamt sind rund 7,7 Millionen Menschen wahlberechtigt – so viele wie nie zuvor, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Welche Auswirkungen die neuen jungen Stimmen auf das Ergebnis haben werden, ist offen.

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