Darum halten sie nicht länger als der Januar

Auch die Psychologin Sonia Lippke von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg beschäftigt sich mit der Frage, warum Menschen an ihren Vorsätzen scheitern. „Das ist ein ganz übliches Problem. Oft nehmen sich Menschen Ziele vor, haben aber zu wenige und unkonkrete Vorstellungen davon, wie sie diese umsetzen können.“ Ein Ziel sollte laut Lippke möglichst sehr genau formuliert sein: „Fünf Kilo abnehmen zu wollen, das ist zu unkonkret. Viel besser ist es, sich vorzunehmen, dreimal pro Woche 30 Minuten lang so intensiv Sport zu treiben, dass man ins Schwitzen kommt.“ Lippke empfiehlt auch, diese Termine fest einzuplanen und sich auch zu überlegen, was passiert, wenn etwas dazwischenkommt.

Aus Sicht des DSSV-Sprechers Alexander Wulff hängt die Messlatte bei den Erwartungen oft viel zu hoch: „Viele erwarten oft zu schnell zu viel – und wenn der erwartete Erfolg ausbleibt, ist das der häufigste Grund, warum bei vielen die Motivation nachlässt. Ein kompletter Wandel ist nicht in vier Wochen, möglich, man muss über Monate, Jahre oder einfach dauerhaft trainieren.“

In der YouGov-Umfrage war ein Mangel an Disziplin und Motivation der Hauptgrund für das Scheitern von Neujahrsvorsätzen. Ein Drittel der Befragten gab an, dass es bei ihnen daran hapern würde. Knapp ein Viertel (24 Prozent) sieht sinkendes Interesse oder andere Prioritäten als Hindernis. 21 Prozent gaben fehlende Zeit und 15 Prozent zu ambitionierte Ziele als möglichen Grund an.

Wenn das Training mal in einer Woche nicht klappe, solle man sich nicht selbst fertig machen, betont Kleinert auch. „Diese Selbstbeschuldigung, also dass Menschen sich selbst abwerten, kommt wirklich oft vor. Man muss mit den eigenen Fehlern, den eigenen Misserfolgen behutsam umgehen, wie es ein Freund auch tun würde. Man muss sein eigener Freund sein.“

Trotz der Schwierigkeiten, die viele Menschen mit den guten Vorsätzen haben, hält Jens Kleinert sie für sinnvoll und überaus menschlich. „Es ist eine schöne Sache, wenn man etwas ändern will und neue Ziele fasst. Der Versuch, Ziele zu erreichen, ist das, was Menschen auch sehr zufrieden macht. Das Annähern an Ziele macht glücklicher als das eigentliche Erreichen von Zielen“, so der Experte.

Der Jahresanfang sei ein klassischer Zeitpunkt, über sein Leben nachzudenken und sich neue Vorsätze zu stecken. „Man sollte aber möglichst häufiger über das eigene Leben reflektieren als nur einmal im Jahr, zum Beispiel zu Festen wie Ostern oder Geburtstag“, sagt Kleinert. Wichtig sei dabei, dass man dies mit einer gewissen Gelassenheit und ohne Zwanghaftigkeit tue.

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