
Hunger, Hitzewellen, Hurrikans: Die Klimakrise trifft Milliarden Menschen. Aber ein Minibruchteil von Superreichen jettet um die Welt und produziert so viel CO2, wie ein Normalbürger in zehn Leben nicht zustande bringen könnte.
Die Folgen der Klimakrise sind gewaltig, und das schon jetzt: Seit 1900 hat sich die von Dürren betroffene Landfläche global verdoppelt. Weltweit sinken Flusspegel, versiegen Brunnen, vertrocknen Felder und brechen Ernteerträge ein. Die Armut wächst, Menschen flüchten, Migrationsbewegungen nehmen zu, Konflikte brechen aus.
Das Leid der betroffenen Familien lässt sich kaum beziffern, der rein ökonomische Schaden schon: Die Autoren des Weltrisikoberichts 2025 schätzen, dass seit dem Jahr 2000 allein durch Überflutungen 650 Milliarden US-Dollar Kosten weltweit entstanden sind.
Aber wer soll diese Kosten tragen? Wer kommt für die zunehmenden Schäden der Klimakrise auf – und wer für die notwendigen Anpassungen und Investitionen, die die Energiewende erfordert? Über Antworten auf diese Fragen streiten derzeit bei der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém die Lenker von mehr als 190 Staaten.
Die Entwicklungsorganisation Oxfam sieht in dieser Frage die vermögendsten 0,1 Prozent der Weltbevölkerung in der Verantwortung: Denn die Superreichen haben nicht nur das nötige Geld, sondern auch einen gewichtigen Anteil am Klimawandel. Oxfam beschreibt den Unterschied zwischen dem CO2-Fußabdruck von einem kleinen, sehr reichen Teil und dem Rest der Weltbevölkerung mit dem Begriff „Klimakluft“. Es ist eine sehr tiefe und breite Kluft.
Berechnungen der Organisation zufolge produzieren die reichsten 0,1 Prozent der Weltbevölkerung jeden Tag durchschnittlich mehr als 800 Kilogramm CO2-Emissionen – ein Mensch aus den ärmsten 50 Prozent verursacht hingegen nur zwei Kilogramm. In anderen Worten: Was ein Reicher, bildlich gesprochen, an einem Tag in die Luft bläst, emittiert ein Mensch aus der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung im ganzen Jahr nicht.
Aber während sich Normalbürger Umfragen zufolge zunehmend Gedanken machen und rund die Hälfte aller Deutschen inzwischen angibt, bei Flugreisen von einem schlechten Gewissen geplagt zu werden, haben sich Oxfam zufolge die Pro-Kopf-Emissionen der Superreichen massiv erhöht: Zwischen 1990 und 2023 seien sie um 92 Tonnen pro Person gestiegen. Das ist eine Zunahme um 45 Prozent.