Kupsa erzählt darin von Mythen und Monokulturen, von Ernte, Gärung und Lagerung – und liefert rund vierzig Rezepte mit, von mexikanischen Klassikern über eigene Kreationen bis zu Gastbeiträgen befreundeter Barfrauen- und männer aus ganz Deutschland. Es ist, kurz gesagt, der Tresen in gedruckter Form: belesen, aber nie belehrend. Wer Tequila verstehen will, kommt an diesem neuen deutschen Standardwerk nicht vorbei.

Zur Chefin geboren

Dass hier überhaupt jemand steht, der dem Agavendestillat seine Würde zurückgeben will, ist das Ergebnis einer angenehm krummen Biografie. Kupsa kam erst spät zur Bar. Aufgewachsen in der österreichischen Steiermark, seit Ende der Neunzigerjahre in Hamburg, arbeitete sie zunächst als freie Eventmanagerin und Businesscoach. Dann drei Jahre im „Le Lion“ bei Jörg Meyer, dem Erfinder des Gin Basil Smash – ihre erste Festanstellung überhaupt. Was sie dort lernte, klingt unspektakulär und ist es nicht: verlässliche Öffnungszeiten, eine kontrollierte Lichtstimmung, die richtige Lautstärke. Banalitäten, an denen Bars reihenweise scheitern.

Eines aber ließ sich in einem fremden Laden nicht erlernen, nämlich das letzte Wort zu haben. Also eröffnete sie 2015 ihr eigenes Refugium – ohne Geldgeber, ohne Partner, allein finanziert – und zwar ausgerechnet mit einem Tequila-Konzept. „Mach lieber irgendwas mit Gin“, rieten ihr damals viele. Ausgerechnet sie, die unter dem berühmtesten Gin-Mann der Stadt gelernt hatte, setzte auf das Gegenteil: Agave, nur Agave. Verrückt, fanden manche. Erfolgreich, fand der Rest. „Im Chug Club steckt ganz viel Betty“, sagt sie. „Hier habe ich mein Innerstes nach außen gekehrt.“

Kleine Drinks, große Wirkung

Was sie aus dieser Hingabe machte, löste nebenbei ein altes Gästeproblem: die leise Angst, von einer Karte voller unbekannter Drinks das Falsche zu bestellen und sich dabei zu blamieren. Kupsas Antwort heißt Chug, ein Mini-Cocktail von 40 Millilitern, etwa ein Drittel der üblichen Menge. „To chug“ bedeutet im Englischen so viel wie kippen, auf Ex trinken. Wer mag, überlässt die Auswahl gleich ganz dem Haus und bestellt das Chug-Flight, drei kleine Überraschungen für 14,50 Euro, von frisch nach süß durchkomponiert, selbst für Stammgäste oft der Auftakt in den Abend.

Drei kleine Drinks: Mit dem Chug-Flight starten auch Stammgäste gerne in den Abend. (Quelle: Anna Wegelin)

Die Kreationen wechseln ständig und stammen vom ganzen Team, das Kupsas Lust teilt, mit den Produkten zu spielen und sie zu erklären – mal ein joghurtgewaschener „Ayranic“, mal ein glitzernder „Dillightful“, mal „Death by Erdnuss“. Eine Regel aber gilt immer: Alle Drinks entstehen mit 100 Prozent Agave-Tequila. Das Konzept überzeugte früh, gleich zweifach räumte der Chug Club 2018 bei den Mixology Bar Awards ab, als Bar des Jahres und als Gastgeberin des Jahres.

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