
Verband „Die Familienunternehmer“
Chefin legt in Brandmauer-Streit nach: „Hat nichts gebracht“
25.11.2025 – 16:21 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Chefin der „Familienunternehmer“ verteidigt den Dialog ihres Verbandes mit der AfD. Inhaltlich wiederholt sie ihre Ablehnung.
Ist es das Ende der Brandmauer im organisierten deutschen Unternehmertum? Am gestrigen Montag hatte die Chefin des Lobbyverbandes „Die Familienunternehmer“, Marie-Christine Ostermann, dem „Handelsblatt“ erklärt, das „Kontaktverbot“ zur AfD sei gefallen. Im Oktober hatte der Verband seinen Parlamentarischen Abend im Atrium der Deutschen Bank Unter den Linden nahe dem Brandenburger Tor abgehalten. Eingeladen auch erstmals: Vertreter der AfD. Die Deutsche Bank erklärte t-online, man habe keine Kenntnis über die Teilnehmer gehabt. Das Finanzinstitut hat bereits Konsequenzen gezogen: In Zukunft sind Veranstaltungen des Lobbyverbandes in ihren Räumen nicht mehr willkommen.
Nun äußert sich Ostermann erneut. „Empörung allein hat sich als politische Strategie erschöpft. Das Überbieten mit immer heftigeren Antifa-Parolen hat nichts gebracht“, sagte die Verbandschefin t-online. „Jedenfalls wächst die AfD trotz Brandmauer kräftig.“ Ostermanns Alternative: „Jetzt hilft nur noch die Auseinandersetzung mit den Inhalten der AfD, jenseits von schlichten Kategorisierungen in ‚gut‘ und ‚böse‘.“
Ihr Verband wolle allerdings keine Regierung mit Beteiligung der AfD, so Ostermann: „Als einziger großer Bundesverband der Wirtschaft haben wir im Landtagswahlkampf in Sachsen mit der Flughafenaktion ‚Keine Reise ins Blaue‘ Farbe bekannt. Das Weltbild der AfD passt nicht zu unserer freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Grundüberzeugung“.
Gerade deshalb scheuten „Die Familienunternehmer“ die inhaltliche Auseinandersetzung mit der in Teilen rechtsextremen Partei nicht. „Mit einem Andersdenkenden zu diskutieren, heißt nicht seine Positionen zu akzeptieren. Reden heißt nicht zusammenarbeiten.“ Wer nicht rede, so Ostermann, habe aufgegeben – und mache letztendlich nur Extremisten stark. „Demokratie lebt vom Streit um die besten Inhalte, nicht vom Schweigen. Die Zeit ist vorbei, in der man die Debatte verweigern kann und wehr- und tatenlos auf eine Verbesserung der Wahlergebnisse hofft.“
Es ist nicht das erste Mal, dass Ostermann ihre klare Ablehnung der AfD formuliert. In einem Gastbeitrag beim „Handelsblatt“ erklärte sie im August 2024, die AfD sei „insgesamt ein Standort- und Investitionsrisiko für Deutschland, denn die AfD hat viele wirtschaftsfeindliche Pläne in ihren Programmen“. Neben ihrer Tätigkeit für „Die Familienunternehmer“ ist Ostermann auch Teil der liberal-konservativen Denkfabrik „Republik 21“, aus deren Reihen schon wiederholt Rufe nach dem Ende der Brandmauer laut wurden.
Widerspruch für Ostermann kommt vom Verband der Digitalwirtschaft, Bitkom. Die AfD sei „digitalpolitisch rückwärtsgewandt, gesellschaftlich auf Spaltung und Abgrenzung ausgerichtet und stellt den demokratischen Rechtsstaat in Frage“, hieß es seitens des Verbandes. Man biete Politikerinnen und Politikern der AfD auf den Veranstaltungen und Digitalkonferenzen keine Plattform – „eine Änderung dieser grundsätzlichen Linie ist nicht geplant“.










