Heyo Kroemer

Charité-Chef warnt vor Kollaps im Gesundheitssystem

02.06.2026 – 03:31 UhrLesedauer: 2 Min.

Heyo Klaus Kroemer (Archivbild): Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité warnt, dass das deutsche Gesundheitssystem auf den demografischen Wandel nicht vorbereitet sei. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Charité-Chef Heyo Kroemer warnt vor einem Systemkollaps – und nennt eine Ursache, die kaum jemand auf dem Schirm hat.

Der Vorstandsvorsitzende der Charité, Heyo Kroemer, schlägt Alarm: Das deutsche Gesundheitssystem ist auf den demografischen Wandel nicht vorbereitet – und das gleich aus zwei Gründen. „Das Gesundheitswesen ist vom demografischen Wandel doppelt betroffen“, sagte Kroemer im Interview mit der „Berliner Morgenpost“. „Menschen stehen als Arbeitskräfte nicht mehr zur Verfügung und kehren zudem als Patientinnen und Patienten zurück in das System.“ Diese Entwicklung sei im bestehenden System nicht eingerechnet.

Konsequenz für die Charité: weg vom Reparaturbetrieb, hin zur Vorsorge. Bereits 2020 hat das Haus unter Kroemers Führung die Strategie „Gesundheit neu denken“ vorgestellt. Innerhalb von zehn Jahren werde die Charité rund ein Drittel ihrer Mitarbeitenden durch Renteneintritt verlieren – wer das System erhalten wolle, müsse Menschen länger gesund halten. Auf die Frage, ob die Charité damit ihr eigenes Geschäftsmodell gefährde, zitiert Kroemer die Reaktion anderer: „Als wir vor sechs Jahren unsere Strategie vorgestellt haben, haben sich auch einige darüber amüsiert.“

Politisch gewinnt das Thema an Rückenwind

Konkret wird die neue Ausrichtung am Campus Benjamin Franklin in Steglitz. Dort entsteht ein Herz-Kreislauf-Präventionszentrum für Forschung, Patientenversorgung und Weiterbildung – finanziert durch eine Privatspende von Friede Springer, die anlässlich ihres 80. Geburtstags 70 Millionen Euro aus ihrem eigenen Vermögen zur Verfügung stellte. Die Charité will den Standort zu einem auf Prävention ausgerichteten Campus weiterentwickeln – bei gleichzeitig weiter bestehender Maximalversorgung.

Politisch gewinnt das Thema an Rückenwind: Prävention ist im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung eines der ersten Themen im Gesundheitsteil. Bislang liegt der Anteil der Gesundheitsförderung an den Gesamtausgaben der Krankenkassen bei lediglich 0,2 Prozent.

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