Carsharing: Versicherungskosten bedrohen kleine Anbieter

Vor allem in Städten beliebt

Kleine Carsharing-Anbieter geben auf


03.02.2026 – 07:08 UhrLesedauer: 3 Min.

Autos zum Teilen: In vielen Städten sind Carsharing-Autos unterwegs. Doch teils bleiben sie ein Zuschussgeschäft. (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa/dpa-bilder)

Carsharing soll Verkehr reduzieren und Städte entlasten, doch vor allem für kleinere Anbieter rechnet sich das Modell kaum. Es gibt dennoch Lichtblicke.

Carsharing gilt als wichtiger Baustein der Mobilität. In vielen Städten soll es Haushalten ermöglichen, auf ein eigenes Auto zu verzichten, Parkraum zu entlasten sowie Bus und Bahn zu ergänzen. Die Zahl der Nutzer wächst seit Jahren, besonders in Metropolen. Neun Prozent der Haushalte in Deutschland hatten 2023 laut Bundesverband Carsharing eine Mitgliedschaft, das entspricht rund 3,7 Millionen Haushalten. In Berlin und Hamburg ist rund jeder dritte Haushalt beim Carsharing angemeldet.

Doch hinter den Nutzerzahlen gerät das Modell wirtschaftlich unter Druck: Anbieter ziehen sich zurück oder stellen Angebote ein. Besonders kleinere und kommunale Betreiber kämpfen mit hohen Kosten – allen voran für Versicherungen.

Zum Jahreswechsel haben die Stadtwerke Brühl ihr Carsharing-Angebot eingestellt. Der Grund lag nicht in mangelnder Nachfrage, sondern bei den Kosten: Die bestehende Kfz-Versicherung kündigte den Vertrag, alternative Angebote hätten die Prämien mehr als verdoppelt. Für sieben Fahrzeuge wären künftig rund 60.000 Euro im Jahr fällig geworden. Ein wirtschaftlicher Betrieb war nach Angaben des Unternehmens nicht mehr möglich.

Brühl ist kein Einzelfall. Ende November 2025 stellten auch die Stadtwerke Tübingen ihr E-Carsharing „COONO“ ein. Das Projekt war gut fünf Jahre zuvor gestartet, um Elektromobilität in der Universitätsstadt voranzubringen. Zwar sei das grundsätzlich gelungen, wirtschaftlich tragfähig war das Angebot nach Angaben der Stadtwerke jedoch zu keiner Zeit.

Trotz wachsender Flotte, neuer Nutzungsmodelle und leicht steigender Umsätze blieb das Projekt defizitär. Als Gründe nannten die Stadtwerke unter anderem die hohen Betriebskosten einer reinen E-Auto-Flotte. Diese lägen weiterhin deutlich über denen von Carsharing-Angeboten mit kleineren Verbrennerfahrzeugen.

Auch in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen haben sich Stadtwerke aus dem Carsharing zurückgezogen. Häufig ist von einem ungünstigen Verhältnis von Aufwand, Kosten und Ertrag die Rede.

Eine Herausforderung bei den Kosten sind die Versicherungen. Carsharing-Fahrzeuge sind deutlich häufiger in Schäden verwickelt als private Pkw. Viele Nutzer fahren nur gelegentlich Auto, hinzu kommen Parkrempler, Vandalismus und unsachgemäße Nutzung. Branchenkenner sprechen bei kleineren Anbietern von besonders hohen Schadenquoten.

Aktie.
Die mobile Version verlassen