„Unerträglich“

Bußgeld-Eklat: Feuerwehrmann quittiert Dienst


13.03.2026 – 14:19 UhrLesedauer: 2 Min.

Die Zentrale der Freiwilligen Feuerwehr Taucha in Sachsen (Archivbild): Weil ein Feuerwehrmann ein Bußgeld zahlen sollte, quittierte er seinen Dienst. (Quelle: Google Maps)

Ein Retter in der Not drückt aufs Gas – mit Blaulicht und Martinshorn. Trotzdem kommt ein Bußgeldbescheid. Die Geschichte nimmt ein unrühmliches Ende.

In Sachsen erschüttert ein Bußgeld-Eklat Feuerwehr und Verwaltung in der 15.000-Einwohner-Gemeinde Taucha nördlich von Leipzig. Ein Feuerwehrmann sowie sein Wehrleiter haben den Dienst quittiert – wegen eines Blitzerfotos.

Die Geschichte hatte im Mai 2025 ihren Lauf genommen, wie unter anderem die „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) berichtete. Der freiwillige Feuerwehrmann Ray Lange saß am Steuer eines Feuerwehrwagens, um zu einem Einsatz zu fahren. Der 55-Jährige hatte ordnungsgemäß Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet – und wurde geblitzt. Bei erlaubten 30 km/h hatte er 69 km/h auf dem Tacho.

Während der Einsatz selbst vergleichsweise glimpflich ablief, folgte die böse Überraschung einige Wochen später: ein städtischer Bußgeldbescheid im Briefkasten des Feuerwehrmannes. Über 360 Euro Strafe sowie zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot standen im Raum. „Ich habe niemanden gefährdet“, betonte Lange im Gespräch mit Radio Leipzig. Er sei davon ausgegangen, dass das Verfahren – wie in ähnlichen Fällen üblich – eingestellt werde.

Doch tatsächlich beharrte das Ordnungsamt auf dem Bußgeld. Zur Begründung sagte Bürgermeister Tobias Meier der „Bild“-Zeitung: „Es gibt die Empfehlung für die Kommunen, in solchen Fällen bei Überschreitungen bis 20 km/h die Verfahren einzustellen. Hier war es aber mehr.“ Meier hatte dem Feuerwehrmann nach eigener Darstellung vorgeschlagen, das Verfahren gegen eine Spende an den Verein Messestadt-Verkehrswacht einzustellen. Doch das wollte Lange nicht. „Das wäre ein Schuldeingeständnis“, sagte er dem Blatt.

Nun zog Lange persönliche Konsequenzen – und quittierte seinen Dienst. 34 Jahre lang sei er zu Einsätzen gefahren. „Bei Tag, bei Nacht, bei Regen, am Wochenende, ohne Rücksicht auf Familie, Freunde oder private Interessen“, formulierte er in einem offenen Brief, der laut LVZ vor wenigen Tagen auf der Jahreshauptversammlung der Tauchaer Wehr verlesen wurde. „Nach 34 Jahren Dienst am Bürger ist es für mich unerträglich, dass mir aus meiner Tätigkeit ein persönlicher Schaden erwächst, anstatt Schutz durch die Stadt Taucha zu erfahren“, so Lange weiter. Auch Wehrleiter Cliff Winkler trat aus Solidarität zurück. Er sagte laut LVZ, die Stadt Taucha lasse „unsere Kameraden ins offene Messer laufen“.

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