
„Ausschließlich persönliche Meinung“
Bundeswehrgeneral: Deutschland braucht „taktische Atomwaffen“
28.01.2026 – 19:03 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein hochrangiger Bundeswehrgeneral fordert deutsche Atomwaffen. Experten sind gespalten.
Angesichts des angespannten Verhältnisses zu Russland und Unsicherheiten in der transatlantischen Partnerschaft fordert der Brigadegeneral der Bundeswehr, Frank Pieper, im „Stern“ eigene taktische Atomwaffen. „Deutschland braucht eigene taktische Atomwaffen“, sagte Pieper. Der russische Präsident Wladimir Putin drohe regelmäßig mit Nuklearwaffen. Konventionelle Mittel allein reichten zur Abschreckung nicht mehr aus, so der Bundeswehrgeneral, der derzeit Direktor Strategie an der Führungsakademie der Bundeswehr ist. Pieper betonte, er äußere sich als Privatperson.
Ähnlich hatte sich Pieper bereits Anfang Januar geäußert. Besonders der Angriff auf die kritische Infrastruktur und der darauffolgende tagelange Stromausfall in Teilen Berlins zeige, wie verwundbar Deutschland sei. Pieper weiter: „Wir brauchen eine umfassende Wehr- und Zivildienstpflicht, die vor allem militärische Heimatschützer und zivile Verteidiger generiert. Die Ostflanke sollte und kann getrost man (sic!) unseren Profis überlassen.“
Der Historiker Harald Biermann, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn, sieht ebenfalls Handlungsbedarf: „Die nukleare Frage ist der Kern der nationalen Souveränität eines Staates. Auch Deutschland muss sich dieser Frage stellen“, sagte er im „Stern“. Eine nukleare Bedrohung betreffe letztlich die Existenz der Bundesrepublik. Joachim Krause, ehemaliger Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, sieht es ähnlich: Man müsse dringend über Schutzmechanismen durch eigene oder europäische Atomwaffen sprechen.
Ablehnung kommt hingegen von Carlo Masala, Professor für internationale Politik an der Bundeswehruniversität München. Er warnte vor einem deutschen Sonderweg und sprach von einer „Büchse der Pandora“, die man damit öffnen würde.
Auch technische Aspekte sind Teil der Debatte. Der Nuklearforscher Rainer Moormann verwies im „Stern“ auf die technische Machbarkeit: Der Bau einer deutschen Atombombe sei grundsätzlich möglich. Bereits vorhandene Expertise und Infrastruktur – etwa in der Urananreicherungsanlage Gronau – könnten prinzipiell genutzt werden, so Moormann. Die Bundesregierung hat sich bislang nicht für eine eigenständige nukleare Bewaffnung ausgesprochen.