US-Präsident Donald Trump ist für seine polarisierenden Aussagen bekannt. Doch könnte sein Verhalten auch darauf hindeuten, dass er zu alt für sein Amt wird?

Das Weiße Haus weist solche Vorwürfe zurück: Trump sei geistig scharf und verunsichere seine Gegner bewusst. Aber wann wird auffälliges Verhalten eines alternden Präsidenten tatsächlich zum Risiko? Und wie lässt sich beurteilen, ob ein Mensch noch in der Lage ist, ein Amt wie das des US-Präsidenten auszuüben? Darüber hat t-online mit dem Altersforscher und Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, Michael Denkinger, gesprochen.

t-online: Herr Denkinger, Donald Trump erregt mit irritierenden Auftritten regelmäßig Aufsehen – etwa wenn er Regieanweisungen vorliest oder damit droht, ganze Zivilisationen auszulöschen. Sind das Anzeichen dafür, dass er mental nicht mehr fit genug für sein Amt ist?

Herr Denkinger: Da denken natürlich viele direkt an eine beginnende Demenz. Aber solche Fehlleistungen kennen wir alle. Wenn jemand Regieanweisungen abliest, weil er gedanklich schon woanders ist, muss das kein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Das würde ich nicht pathologisieren – jedenfalls nicht, solange es nicht sehr häufig vorkommt.

Und diese radikalen Aussagen?

Auch die würde ich eher nicht als Zeichen altersbedingter kognitiver Einschränkungen sehen. Für mich deutet das stärker auf ein psychologisches Problem hin.

Für mich sieht das nach einer Persönlichkeitsstörung aus, die sich zunehmend verstärkt. Es könnte sein, dass sich seine narzisstischen Tendenzen unter politischem Druck nun stärker zeigen. Aber aus der Ferne lässt sich das nicht eindeutig beurteilen.

Sie sehen als Ursache für sein Verhalten also keine Anzeichen für eine Demenz?

Um das zu beurteilen, wären spezielle Tests nötig. Es gibt zwar Formen der Demenz wie die frontotemporale Demenz, die bestehende Persönlichkeitszüge verstärken und zu ausfälligen Aussagen und unberechenbarem Verhalten führen. Aber eine solche Diagnose würde in der Regel auch mit weiteren kognitiven Einschränkungen einhergehen. Deshalb würde ich das aktuell nicht als wahrscheinlichste Erklärung sehen.

Also hat sein Alter eher keinen Einfluss auf sein Verhalten?

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