„Rentenniveau reicht nicht“

Börsenchef fordert große Reform der Rente

Aktualisiert am 31.03.2026 – 09:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner plädiert für einen Ausbau der privaten und betrieblichen Altersvorsorge. (Quelle: Helmut Fricke/dpa/dpa-bilder)

Ist auf die gesetzliche Rente Verlass? Reicht das Geld im Alter? Das treibt viele Menschen um. Kanzler Merz will die Altersvorsorge grundlegend umbauen. Der Chef der Deutschen Börse macht Vorschläge.

Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner fordert Tempo bei einer grundlegenden Rentenreform in Deutschland. „Wir können nicht länger zusehen, dass immer größere Milliardenbeträge aus dem Bundeshaushalt aufgebracht werden müssen, um die Löcher in der Rentenkasse zu stopfen“, sagte Leithner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur und der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX am Sitz des Dax-Unternehmens in Eschborn.

Klar sei, dass die gesetzliche Rente als eine der drei Säulen der Altersvorsorge erhalten bleibe. „Eine kapitalmarktbasierte betriebliche und private Altersvorsorge muss jedoch eine deutlich stärkere Rolle spielen.“

Die Bundesregierung sei mit der Frühstart-Rente und dem geplanten Altersvorsorgedepot, einem staatlichen Standarddepot aus Wertpapieren, bereits wichtige Schritte gegangen, die „vor kurzem noch undenkbar“ gewesen seien, lobte der Börsenchef. Er sei zuversichtlich, dass darauf aufbauend von der Rentenkommission der nächste große Wurf komme. Der Druck, zu einer Lösung zu kommen, „könnte nicht größer sein“, sagte Leithner. „Das gilt für Deutschland, aber auch für die europäische Ebene.“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte angekündigt, dass die Bundesregierung eine Neugewichtung der drei Säulen – also gesetzliche Rente sowie private und betriebliche Altersvorsorge – noch in diesem Jahr auf den Weg bringen will. Bis Jahresmitte soll die von Union und SPD eingesetzte Rentenkommission Vorschläge für eine Reform vorlegen.

Ziel muss nach Leithners Ansicht in Summe ein Rentenniveau sein, das auch für untere Einkommensklassen ein akzeptables Niveau habe. „Mit Blick auf die Lebenshaltungskosten kann man ein Rentenniveau von 48 Prozent nicht anders bezeichnen als unsozial“, kritisierte Leithner. „Das reicht hinten und vorne nicht.“ Ein Gesamtniveau von bis zu 65 Prozent sei vermutlich notwendig. „Aber das ist allein aus der Säule der gesetzlichen Rentenversicherung eben nicht zu finanzieren.“

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr gegen große Widerstände ein Rentenpaket beschlossen, das die Haltelinie für das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent fixiert. Bei dieser Größe wird eine Standardrente ins Verhältnis zum Durchschnittseinkommen gesetzt. Mit Bundesmitteln werden die Renten jährlich so angepasst, dass das Sicherungsniveau vor Steuern nicht unter die Haltelinie sinkt. Allein 2026 sollen mehr als 120 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt in die gesetzliche Rentenversicherung fließen.

Bei der Frühstart-Rente, bei der Kinder ab dem sechsten Lebensjahr monatlich zehn Euro vom Staat für ein Depot bekommen sollen, plädiert Leithner für einen deutlichen Anschub per Einmalbetrag: „Sinnvollerweise sollte man die Frühstart-Rente mit 4.000 Euro bei der Geburt eines Kindes beginnen, vor allem wegen des Zinseszinseffektes. Wichtig ist auf jeden Fall, dass Frühstart-Rente und Altersvorsorgedepot ineinandergreifen, damit man nicht später wieder neue Konten eröffnen muss.“

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